Christopher Buehlman: Zwischen zwei Feuern (Buch)

Christopher Buehlman
Zwischen zwei Feuern
(Between Two Fires, 2012)
Übersetzung: Jochen Schwarzer
Titelbild: Johannes Wiebel
Tor, 2026, Hardcover, 508 Seiten, 16,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Willkommen im pestgeplagten Frankreich des Jahres 1348. Der ehemalige Ritter Thomas schlägt sich als mittelloser Brigant durchs Leben, als er auf die junge Delphine trifft, deren Familie der Schwarzen Pest zum Opfer gefallen ist. Das Mädchen behauptet, mit Engeln sprechen zu können, und ist überzeugt, dass hinter der Seuche ein Krieg zwischen Himmel und Hölle steckt.

Gemeinsam mit dem sowohl dem Rebensaft als auch den strammen Beinen junger Männer verfallenen Priester Matthieu reist Thomas mit Delphine durch ein verwüstetes Frankreich.

Unterwegs begegnen sie nicht nur den Schrecken der Pest, sondern auch dämonischen Kreaturen und allerlei übernatürlichen Bedrohungen. Nach und nach wird deutlich, dass Delphine in dem himmlischen Konflikt eine besondere Rolle spielt.

Ihre Reise führt sie schließlich nach Avignon, wo die Entscheidung im Kampf zwischen den Mächten des Himmels und der Hölle fällt. Für Thomas wird die gefährliche Reise zugleich zu einer persönlichen Suche nach Erlösung und einem neuen Sinn im Leben…


Was ist das für ein Einzelroman des Verfassers von „Der schwarzzüngige Dieb“ (dt. Hobbit Presse)? Ein Buch, das uns ins pestverseuchte Frankreich des 14. Jahrhunderts entführt und dabei selbiges unglaublich lebendig, dreckig und bedrückend schildert. Das atmet Realität, das wirkt in seiner Brutalität schockierend und ergreifend, hatte ich als Leser doch den Eindruck, dass hier ein Autor etwas beschreibt, das er sorgfältig recherchiert hat.

In diese so realistisch wirkende Kulisse setzt Buehlman dann seinen Plot. Geschickt verbindet er Historischen Roman, Dark Fantasy und Horror miteinander. Die dämonischen Erscheinungen, albtraumhaften Kreaturen und religiösen Motive, die Perversitäten, auf die unser Trio auf seiner Reise stößt, bleiben lange im Gedächtnis.

Das hat auch mit den Figuren zu tun. Jeder der drei hat seine eigene Geschichte, seine Verletzungen - äußerlich wie innerlich -, seine Traumata, Gelüste und Hoffnungen. Gerade auf letztere beiden stürzen sich die gefallenen Engel und ihre dämonischen Helferlein. Dabei scheint - überraschend - immer wieder ein trockener Humor und menschliche Wärme durch die Beschreibungen.

Man mag kritisieren, dass sich der Roman eher als lose Aneinanderreihung einzelner Episoden und Monster-Begegnungen statt als straff erzählte Handlung anbietet. Doch das ist die Krux eines jeden „Reise-Romans“, in dem wir unsere Erzähler durch eine ihnen wie uns unbekannte Landschaft begleiten. Immer wieder stoßen sie auf neue Wesen, müssen sich anpassen, mit Fährnissen auseinandersetzen und machen dabei - ganz menschlich - Fehler.

Zu erwähnen bleibt mir noch, dass uns der Verlag neben dem sehr stimmigen Vorwort von Joe Hill auch Vor- und Nachsatz, Karten und Innenillustrationen von Jens Maria Weber spendiert hat, die wunderbar zum Inhalt passen und die zumindest in meiner englischen Ausgabe nicht enthalten sind.

So ist dies eine ungewöhnliche Mischung aus Mittelalter-Roman, Horror und Dark Fantasy, die mich in ihren Bann gezogen hat. Wer düstere Atmosphäre, religiöse Mythologie und verstörende Bilder mag, wird hier fündig. Wer dagegen klassischen Horror oder eine sehr geradlinige Handlung erwartet, der greife besser zu einem anderen Werk.