Anthony Ryan: Flut aus schwarzem Stahl (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 23. April 2026 07:00

Anthony Ryan
Flut aus schwarzem Stahl
Zeit des Zorns 1
(A Tide of Black Steel, 2024)
Übersetzung: Sara Riffel
Hobbit Presse, 2026, Hardcover, 640 Seiten, 26,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Nach den „Rabenschatten“-Romanen wendet sich Anthony Ryan nun anderen Geschichten zu, die aber in einer ähnlich archaischen und mittelalterlichen Welt spielen. Mit „Flut aus schwarzem Stahl“ startet die Saga um „Zeit des Zorns“.
Seit vielen Jahrhunderten wird das Reich Ascarlia von den Schwesterköniginnen regiert und weise geführt, auch wenn alles seine feste Ordnung hat und Rebellion durchaus bestraft wird. Allerdings gerät das Alles nun ins Wanken, denn Gerüchte erzählen von Langschiffen, die in der Nähe der Küste gesichtet werden.
Sie sollen bemannt von tätowierten Kriegern sein, die ganz offensichtlich einem alten Kult folgen, der schon lange für ausgelöscht gehalten wurde.
Die Kriegerin Thera macht sich daran, mehr herauszufinden, ahnt aber nicht, dass hinter ihrem Rücken längst ihr eifersüchtiger Bruder dunkle Fäden spinnt.
Diesmal baut Anthony Ryan ein Reich auf, das ein wenig an die angelsächsischen Reiche erinnert, die schon bald den Angriffen der Wikinger ausgesetzt werden. Wie immer bleibt aber die Magie etwas im Hintergrund, die Handlung selbst wird von tapferen Kriegern bestimmt - zumindest am Anfang.
Denn man merkt auch schon sehr früh, dass am Hof der Schwesternköniginnen auch nicht alles eitel Sonnenschein ist und durchaus Intrigen gesponnen werden, die die alte Ordnung über Bord werfen könnten. Im Mittelpunkt steht deshalb nicht nur das Geschwisterpaar, das unterschiedlicher nicht sein könnte, sondern auch einige andere Figuren, deren Handlungsstränge andere Weichen stellen.
Die Geschichte wird zwar sehr lebendig erzählt, kommt aber erst einmal nicht wirklich in Fahrt, weil zu viel beschrieben und erklärt wird, die Andeutungen und Hinweise so etwas untergehen. Zudem führt Ryan eine Vielzahl von Figuren ein, so dass nur wenig Zeit für die wichtigen Charaktere bleibt und diese so auf Distanz zu den Lesern bleiben.
Immerhin stimmt die Action, denn es geht ordentlich rund: Die Helden werden in Kämpfe verwickelt, während sie Orte erkunden, an denen sie eigentlich nichts zu suchen haben. Das dürfte vor allem Fans der Heroic Fantasy zu schätzen wissen, die eher das Abenteuer brauchen und weniger romantische Gefühle.
Alles in allem stellt der erste Band die notwendigen Weichen für die Geschichte, kommt bildgewaltig und actionreich daher, aber man wird dennoch das Gefühl nicht los, dass etwas fehlt.
„Flut aus schwarzem Stahl“ ist actionreiche Fantasy für alle Fans epischer Geschichten, die ein raues frühmittelalterliches Setting mit Wikinger-Anklängen zu schätzen wissen. Allerdings braucht es eine Weile, bis die eigentliche Geschichte in Gang kommt und die Figuren bleiben lange Zeit seltsam blass, so dass man nicht wirklich Anteil an ihrem Schicksal nimmt.