M. L. Wang: The Sword of Kaigen - Eine theonitische Kriegsgeschichte (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 23. April 2026 07:05

M. L. Wang
The Sword of Kaigen - Eine theonitische Kriegsgeschichte
(The Sword of Kaigen, 2018)
Übersetzung: Henriette Ahrent
Titelbild: Enrico Frehse
Adrian, 2025, Hardcover, 616 Seiten, 24,95 EUR
Rezension von Christel Scheja
Schon in „Blood over Bright Haven“ bewies M. L. Wang den deutschen Lesern, dass ihr ungewöhnliche Settings und Geschichten liegen, die nicht unbedingt den gängigen Klischees folgen. Deshalb erscheint nun auch ihr Frühwerk „The Sword of Kaigen“ auf Deutsch, das sie einst selbst herausgegeben hat.
Sie sind die mächtigsten Krieger der Welt, Übermenschen, die in der Lage sind, das Meer anzuheben und mit Eisklingen zu kämpfen. Doch sind sie auch unbesiegbar? In diese Familie wird Mamoru hineingeboren und schon bald zum Nachfolger seines Vaters ausgebildet. Aber ein Fremder taucht auf und lüftet ein düsteres Geheimnis.
Gleichzeitig kämpft seine Mutter Mitsuki darum, ihre Familie zu beschützen und auch, sich selbst nicht zu verlieren, denn auch sie ist eine Kriegerin mit ungewöhnlichen Kräften und sie sieht die Gefahr kommen, die ihr Gemahl einfach übersehen will. Und so steht sie bald zwischen den Fronten.
Bei ihrem Setting hat sich die Autorin ganz klar von den Strukturen und der Familiendynamik des feudalen Japans beeinflussen lassen. Und so hat man auch immer wieder die Edo-Zeit vor Augen, auch wenn gelegentlich Dinge erwähnt werden, die irgendwie gar nicht in die Zeit zu passen scheinen wie Autos und Flugzeuge. Dadurch erinnert die Autorin aber immer wieder daran, dass die Geschichte eigentlich auf einer anderen Welt spielt.
Und auch wenn es später zu Krieg und Kämpfen kommt, so bleibt die Geschichte doch immer nahe an den Figuren, vor allem bei Mamorus Mutter Misaki, die ihre eigenen Kämpfe durchzustehen hat, denn immerhin muss sie sich als angeheiratete Frau so Einiges anhören und scheint in der Rangordnung ganz unten zu stehen.
Allerdings ist sie nicht nur im Herzen eine Kämpferin, sondern auch tatsächlich, was sie im Verlauf der Geschichte immer wieder unter Beweis stellen muss, um ihre Kinder zu beschützen.
Das Ganze ist sehr detailliert erzählt, bleibt ganz bei den Figuren und deren eingeschränkter Sicht. Und so geschieht die Action auch eher auf zwischenmenschlicher Ebene, die Kämpfe sind eher schmückendes Beiwerk. Aber auch hier bricht Wang wieder alle üblichen Konventionen, denn die Geschichte bleibt genauso konsequent wie die Figuren, gerade weil die Gesellschaft, die sie aufrechtzuerhalten versuchen, so starr ist.
Alles in allem braucht die Geschichte einige Zeit, um in die Gänge zu kommen, bietet aber immer wieder Momente zum Aufhorchen, die die Spannung hochhalten und neugierig auf den Verlauf machen. Aber auch das Ende passt gut in den Rahmen.
Die Figuren sind interessant ausgearbeitet und wecken Interesse, auch wenn vor allem Misaki die Sympathie der Leser gewinnen dürfte, denn immerhin hält sie ab einem bestimmten Moment die Fäden der Geschichte in der Hand.
„The Sword of Kaigen - Eine theonitische Kriegsgeschichte“ ist ein epischer Roman der besonderen Art. Die Geschichte fesselt mit einem ausgefeilten Hintergrund und einer Handlung, die immer wieder aus den üblichen Konventionen ausbricht und gelegentlich anachronistisch wirkt. Dennoch ist die feudalistisch-japanische Atmosphäre in sich stimmig. Punkten können vor allem die vielschichtigen Personen, insbesondere die Hauptfigur Misaki, aber auch ihr direktes Umfeld.