Delemhach Emilie Nikota: The House Witch (Buch)

Delemhach Emilie Nikota
The House Witch
(The House Witch, 2022)
Übersetzung: Violeta Topalova & Sabine Reinhardus
Titelbild: Vera Drmanovski
Hobbit Presse, 2026, Hardcover, 616 Seiten, 26,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Was hält bekanntermaßen Herz und Leib zusammen? Richtig: das Essen. Seine Bedeutung für das menschliche Leben ist heute kaum geringer als anno dazumal. Und damit wären wir bereits in einem mittelalterlich anmutenden Königreich, in dem ein drohender Krieg, Hexen und Magier - und ein Koch - eine nicht ganz alltägliche Verbindung eingehen.

 

Finlay Ashowan ist Koch mit Leib und Seele. Seine größte Leidenschaft besteht darin, seine Kundschaft mit lukullischen Spezialitäten zu verwöhnen. Wenn er dabei auf seine magischen Fähigkeiten zurückgreifen kann - oder muss -, umso besser. Denn Finlay ist nicht nur Koch, sondern auch eine Heimhexe, und seine Gäste liegen ihm nach jeder Mahlzeit sprichwörtlich zu Füßen.

Durch die Empfehlung eines Kollegen - eines Kochs, nicht einer Hexe - gelangt er an den Hof des Königs von Daxaria. Als der junge, etwas schlaksige Mann dort eintrifft, weiß zunächst niemand von seinen besonderen Fähigkeiten, und auch sein jugendliches Auftreten sorgt beim Monarchen für hochgezogene Augenbrauen. Doch nach nur einer Mahlzeit sind alle Zweifel verflogen: Einigkeit herrscht darüber, dass man noch nie zuvor derart vorzüglich gespeist hat.

Finlay räumt die Hofküche gründlich um. Die meisten Bediensteten werden entlassen; lediglich fünf Helfer bleiben. Darunter eine resolute Frau, die mit einer Bratpfanne gefährlicher wirkt als mancher Krieger sowie ein schwuler Diener, dessen Eigenheiten am Hof ebenso auffallen wie seine Loyalität. Finlay selbst möchte vor allem eines: in Ruhe arbeiten und dabei seine Hexenkräfte möglichst geheim halten.

Doch wie zu erwarten, nimmt die Geschichte bald eine unerwartete Wendung.

Finlay verliebt sich in eine Adelige, findet in einer Katze einen treuen Vertrauten, freundet sich mit dem achtjährigen Kronprinzen an und versucht nebenbei, aus drei flegelhaften Haudegen so etwas wie ehrenhafte Ritter zu machen.

Am Ende bleibt ihm nur noch, sein Herz in die Hand zu nehmen und seiner großen Liebe einen Antrag zu machen; eine Prüfung, die sich als die schwierigste von allen erweist…


Das Genre, in dem sich dieser Roman bewegt, wird gemeinhin als Cozy Fantasy bezeichnet - eine Spielart der Phantastik, die weniger auf martialische Auseinandersetzungen setzt, als auf Atmosphäre, zwischenmenschliche Beziehungen und ein entschleunigtes Erzähltempo. Mit dem Auftakt der im Original bislang drei Bände umfassenden „House Witch-Reihe“ findet diese Trilogie nun auch ihren Weg in die deutschsprachigen Buchhandlungen. Und so viel sei vorweggenommen: Die Mischung funktioniert erstaunlich gut!

Im Mittelpunkt steht ein Erzähler, der sich wohltuend von vielen Genre-Helden unterscheidet. Finlay ist ein warmherziger, eher introvertierter Mensch, der größere Freude daran hat, ein gelungenes Menü zu kreieren, als sich in heroische Abenteuer zu stürzen. Dass er dabei mit Vorliebe auf gesunde Ernährung hinweist, schlechte Manieren tadelt und selbst vor Adeligen kein Blatt vor den Mund nimmt, macht ihn zu einem ebenso eigenwilligen, wie sympathischen Protagonisten.

Erstaunlich ist dabei das Tempo der Handlung. Anders als in vielen sogenannten Cozy-Titeln rückt das Gefühlsleben der Figuren zunächst nicht in den Vordergrund. Die Autorin konzentriert sich darauf, eine abwechslungsreiche und durchaus spannende Geschichte zu erzählen - und das gelingt ihr. Die Figuren sind klar gezeichnet, der Spagat zwischen behaglicher Atmosphäre und dramatischen Zuspitzungen gelingt überzeugen - und der Stil bleibt dabei angenehm unaufdringlich und gut lesbar.

Auffällig ist zudem, dass der Text, insbesondere im Hinblick auf gleichgeschlechtliche Beziehungen, wiederholt deutliche Plädoyers für Offenheit und Toleranz formuliert. Tiefschürfende philosophische Reflexionen sollte man allerdings nicht erwarten - hier begnügt sich die Autorin meist mit allgemeineren Aussagen. Dennoch bleibt die Lektüre durchweg unterhaltsam, stellenweise spannend und immer wieder von einem feinen Humor getragen.