Victoria Aveyard: Tempest - Im Auge des Sturms (Buch)

Victoria Aveyard
Tempest - Im Auge des Sturms
The Lyrian Sea 1
(Tempest, 2026)
Übersetzung: Michaela Link
Penhaligon, 2026, Hardcover, 654 Seiten, 24,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Die Filmmusik von „Pirates of the Carribean“ inspirierte die amerikanische Autorin Victoria Aveyard zu ihrer neuen Fantasy-Dilogie „The Lyrian Sea“, die mit „Tempest - Im Auge des Sturms“ ihren Anfang nimmt. Das Setting ist an die große Zeit der Piraten im 17. Jahrhundert und der Karibischen See angelehnt.


Catrine Rose ist eine Lady, aber keine, die sich noch in der gehobenen Gesellschaft des Meridischen Imperiums bewegen könnte und dürfte. Immerhin hat sie, um zu überleben, lange Zeit Geschäfte mit der Piratenrepublik gemacht. Und nachdem diese gefallen ist, droht ihr eigentlich auch der Tod.

Allerdings hat sie eine Chance bekommen, denn sie soll die Freibeuter ans Messer liefern. Was sie auch tatsächlich getan hat. Doch nun beginnt ihre Entschlossenheit zu wanken, denn immerhin soll sie als nächstes den letzten der großen Piratenkapitäne der Lyrianischen See aufspüren: Valerian Kane, den einzigen Mann, den sie jemals geliebt hat.


Wer annimmt, dass das Ganze eine der typischen Romanzen ist, der irrt tatsächlich, denn die Gefühle, die die gefallene Lady hegt, sind zwar da, noch stärker ist aber ihr Wille irgendwie zu überleben und sich in der harten Welt, die keine Gnade zu kennen scheint, irgendwie über Wasser zu halten.

Die Autorin erzählt die Geschichte gleich auf zwei Ebenen, einmal in der Gegenwart, in der sie schon die Früchte ihres „Erfolgs“ tagtäglich vor Augen hat und mehr denn je von der Gnade der neuen Machthaber abhängig ist, die schon sehr deutlich machen, dass sie dem Strick näher ist als der Freiheit. Zum anderen erfährt man in der anderen Handlung, wie es überhaupt dazu kam, dass sie einerseits mit den Piraten zusammenarbeitete und dann auch Valerian Kane näher kennenlernte, der anders als andere Kapitäne bisher jeder Falle entkommen konnte. Hier zeichnet sie ein vielschichtiges Bild.

Man merkt, dass die Autorin durchaus recherchiert hat und daraus ihre Ideen schöpft, denn Vieles erinnert schon ein wenig an den Kampf der Engländer gegen die Piraten, die in der Karibischen See für eine gewisse Zeit die Oberhand hatten und auch nicht von den Spaniern lahmgelegt werden konnten.

Zudem stellt sie auch die Intrigen in den Vordergrund, nicht die Gefühle. Denn Catrine ist keine naive und unerfahrene Lady, sondern eine Frau, die gelernt hat, den Weg zu gehen, der ihr das Überleben sichert, auch wenn sie dafür moralische Bedenken über Bord werfen muss. Die Männer und Frauen in ihrem Dunstkreis sind auch nicht viel besser, was die Figuren erstaunlich vielschichtig macht. Vielleicht nicht sonderlich sympathisch, aber interessant, um die Geschichte weiterzuverfolgen.

Alles in allem ist „Tempest - Im Auge des Sturms“ wohl eher facettenreiche Piraten-Fantasy, die sich ein wenig an die entsprechende historische Epoche anlehnt, und weniger leidenschaftliche Romantasy. Denn die Hauptfiguren sind alles andere als in Liebe einander zugetan, auch wenn es durchaus zwischen ihnen knistert. Abenteuer und Intrigen stehen im Vordergrund.