Valérie Caron: Die barfüßige Marquise (Buch)
- Details
- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Montag, 02. November 2026 11:57

Valérie Caron
Die barfüßige Marquise
Knaur, 2026, Paperback, 448 Seiten, 16,99 EUR
Rezension von Christel Scheja
Die Französische Revolution ist heute einer der Eckpunkte der Demokratie-Entwicklung, die im Geschichtsunterricht abgehandelt wird. Nur am Rande aber beschäftigt man sich dabei mit dem nachfolgenden Terror-Regime und welche Auswirkungen dieses auch auf die Bevölkerung Frankreichs hatte, egal welchen Standes. Diese Lücke füllen Romane wie „Die barfüßige Marquise“ von Valérie Caron, der auf einer wahren Geschichte beruht.
Im Jahr 1793 bricht die Welt von Maguerite de Bonchamp zusammen, denn der Ton gegenüber der adligen Oberschicht wird rauer und zwingt ihren Mann Charles, sich dem Aufstand in der Vendée anzuschließen. Das bleibt nicht ohne Folgen. Schon bald verliert die junge Frau Hab und Gut, ist auf der Flucht.
Während sie sich durch ein zerrissenes Land schlägt, in dem sie Keinem trauen kann und das von Krieg und Leid zerrissen ist, versucht sie ihre Kinder zu beschützen - koste es, was es wolle, und mit ihnen zu überleben. Da scheinen die Gefühle zu dem jungen Henri de La Rochejaquelein wie eine zusätzliche Belastung…
Die Hauptfigur hat es wirklich gegeben, ebenso wie die meisten Menschen in ihrem Umfeld, so dass die historischen Entwicklungen durchaus nachprüfbar sind und auch Zeugnisse ihrer Person selbst. Aber natürlich bringt die Autorin nach all ihren Recherchen auch eigene Ideen mit ein, um die Figur und die für sie so bewegenden Jahre zum Leben zu erwecken.
Daher nimmt sie sich auch die Zeit, die Heldin, die eigentlich aus bürgerlichen Verhältnissen stammt, aber in den Adel eingeheiratet hat, und ihr Leben, das schon von der Revolution überschattet wird, vorzustellen, ehe es dann richtig zur Sache geht.
Die Gewalt der Revolutionstruppen, ihre Vertreibung und auch die Flucht durch ein Land, in dem sie jederzeit damit rechnen muss, gefangengenommen zu werden, oder schlimmeres, wird sehr anschaulich geschildert. Ebenso wie das Leben unter den Aufständischen und mitten im Bürgerkrieg, in dem die Frauen gleich zweifach Sorge haben, um ihre Kinder, die möglichst wenig von den Grauen mitbekommen sollen, aber auch um ihre Männer. Und so zeichnet Caron das Bild einer Frau, die trotz der Umstände versucht, zu überleben und eine gute Mutter zu sein und damit auf ihre Weise eine Heldin wird.
Und damit romantische Gefühle nicht zu kurz kommen gibt es auch noch eine zarte Liebesgeschichte, die für zusätzliche Schwierigkeiten sorgt. Die Figuren erhalten dadurch mehr Facetten und wachsen auch ans Herz, so dass man mit ihnen fühlen und leiden darf.
Alles in allem taucht der Lesende durch die lebendige Erzählweise in die bewegende Geschichte ein, die historische Entwicklungen in einem anderen Licht zeigen, als üblich und dabei auf einem sehr glaubwürdigen Niveau bleibt. Dazu kommen immer wieder überraschende Wendungen, die die Spannung bis zum Ende aufrechterhalten.
„Die barfüßige Marquise“ erzählt von einer Phase der Französischen Revolution, die gerne übersprungen wird und in Deutschland so gut wie unbekannt sein dürfte. Einfühlsam und lebensnah zeichnet die Autorin das Schicksal einer realen Persönlichkeit und ihres eigenen Umfelds nach und erweckt so die Zeit des Terror-Regimes nach den Revolutionswirren zum Leben.