Hannah Kaner: A Snake among Swans (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Sonntag, 18. Oktober 2026 13:18

Hannah Kaner
A Snake among Swans
Wild Swans 1
(A Snake among Swans, 2026)
Übersetzung: Wolfgang Thon
Piper, 2026, Paperback, 592 Seiten, 18,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Mit ihrer „Godkiller“-Trilogie begeisterte Hannah Kaner ihre Fans hier in Deutschland, so dass Piper gleich das nächste Werk aus ihrer Feder nachlegt. „A Snake among Swans“ ist der Auftakt der „Wild Swans“-Saga und scheint mit Elementen aus dem Grimm’schen Märchen „Die sieben Schwäne“ zu spielen.
Eine besiegte Königin verkauft ihre einzig überlebende Tochter an den Mann, der ihr Reich erobert und all ihre Hoffnungen zerstört hat und besiegelt damit ihre Niederlage. Die junge Frau soll den Schwanenkönig heiraten und ihm weitere Kinder schenken. Doch was niemand weiß: Das Ganze ist ein wohl ausgeklügelter Plan.
Denn Tuathilde, kurz Tilde, hat schon immer das Flüstern des Ahnenforstes gehört und ist der Magie ihrer Heimat eng verbunden. Als Schlange unter Schwänen schleicht sie sich an den Hof des Königs ein und beginnt die Rache zu planen. Und das ist nicht einfach, angesichts der Intrigen und Machtspiele am Hofe, in die auch die Erben des Usurpators verstrickt sind.
Wie schon in ihrer ersten Trilogie präsentiert Hannah Kaner auch in ihrer zweiten Geschichte Menschen, die nicht unbedingt die strahlenden Helden und Unschuldslämmer sind, sondern sich auch die Hände schmutzig machen und entsprechend fragwürdig handeln.
Auf den ersten Blick scheint auch die Rollenverteilung klar zu sein, aber dieses Schema wird schnell durchbrochen. Tilde ist mitnichten die Barbarin, die immer wieder in die Fallstricke des Hofes tappt. Sie beobachtet und handelt im Verborgenen, provoziert bewusst und hält auch ihre besondere Magie geheim, die im Angesicht der mächtigen Religion, die ihr Land übernommen hat, auch noch zu einer Gefahr wird.
Die Autorin nimmt sich sehr viel Zeit, um das Szenario aufzubauen, denn immerhin ist es wichtig, die Machtverhältnisse und die zentralen Figuren zu kennen, die Ränke und Intrigen, die ohnehin schon am Hof brodeln. Und Tilde weiß sehr genau mitzuspielen. Das lernt auch Elise, die als Tochter des Königs eigentlich eine untergeordnete Rolle spielt, aber im Verlauf der Geschichte auch immer wichtiger wird.
Die Handlung wird bodenständig und nüchtern erzählt. Tilde denkt pragmatisch, ist keine idealistische Träumerin, genausowenig wie Elise. Und beide testen nach und nach die ihnen auferlegten Grenzen aus. Sie nutzen zudem die Möglichkeiten, die ihnen zugestanden werden, um ihre Ränke zu spinnen.
Der Roman endet mit einem Paukenschlag, der Lust auf Mehr macht. Denn jetzt sind einige Weichen gestellt, die ansonsten eher verhaltene Magie wurde ordentlich genutzt und auch die Märchen-Motive kommen zum Tragen.
Nun darf man gespannt sein, wie sich dies letztendlich weiterentwickelt, gerade was bestimmte Figuren betrifft.
Bei den Charakteren werden nur Elise und Tilde stärker herausgearbeitet, was allerdings seine Gründe hat, wie man schon bald merkt. Beide haben Ecken und Kanten, lassen sich in keine Kategorie schieben.
„A Snake among Swans“ ist der gelungene Auftakt von „Wild Swans“, in dem Hannah Kaner wieder einmal beweist, dass sie gut darin ist, die beliebten Klischees der Fantasy neu zu interpretieren und bewusst mit starken Heldinnen zu versehen, die man in ihrer Vielschichtigkeit so schon lange nicht mehr erlebt hat. Aber auch Magie und vor allem Intrigen kommen nicht zu kurz.