Veronika Roth: The Sixth Faction - New Divergent 1 (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 08. Oktober 2026 11:32

Veronika Roth
The Sixth Faction
New Divergent 1
(The Sixth Faction 1 of 2, 2026)
Übersetzung: Teresa Englert, Anna-Saida Jessen & Susanne Seidita
cbj, 2026, Hardcover, 576 Seiten, 24,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Mit ihrer dystopischen Trilogie „Divergent - Die Bestimmung“ feierte Veronika Roth in den 2010er Jahren so große Erfolge, dass es sogar eine Verfilmung gab. Allerdings scheint sie sich gefragt zu haben, wie das Ganze wohl ausgesehen hätte, wenn Tris sich letztendlich ganz anders entschieden hätte. Dieser Frage geht sie nun in „The Sixth Faction“ nach.
Nach der Zerstörung der Welt leben die Menschen in der Stadt in einem neuen System miteinander. Sechs Gruppen versuchen Frieden zu bewahren und jedem die Chance zu geben, sein Leben gemäß seiner Neigungen und Fähigkeiten zu führen. So gibt es „Altruan“ die Selbstlosen, „Candor“ die Freimütigen, „Ken“ die Wissenden, „Amite“ die Friedfertigen oder „Ferox“ die Furchtlosen.
Entschieden wird darüber durch eine besondere Prüfung, der sich auch Beatrice unterziehen muss. Aber ihr Ergebnis ist mehr als überraschend unbestimmt. Doch diesmal entscheidet sie sich nicht für die Ferox, sondern geht zu den Rebellen, die sich unter die Fraktionslosen gemischt haben. Doch auch Four tritt auf überraschende Weise wieder in ihr Leben, ist er doch der Sohn der Frau, die den geheimen Widerstand anführt.
Die Autorin macht eigentlich keinen Hehl daraus, dass sie die Geschichte vor allem für die Fans geschrieben hat, die die andere Geschichte schon kennen und mit deren Entwicklung und Ausgang nicht zufrieden waren. Denn irgendwie werden weder der Hintergrund noch die Figuren sonderlich eingeführt.
Die Erklärungen halten sich in Grenzen, Manches wirkt - gerade was die Vergangenheit und die Technik betrifft - etwas blass. Aber immerhin werden nun mehr Kapitel aus der Sicht anderer Figuren erzählt, so erhält auch der Bruder von Tris eigene Kapitel, was nicht nur seinem Charakter mehr Tiefe verleiht.
Dafür treten die Ferox etwas deutlicher in den Hintergrund, die Rebellen erhalten natürlich mehr Raum. Und einige Figuren, die vorher keine Rolle spielten, werden nun ein wenig wichtiger.
Dennoch lesen sich große Teile wie die frühere Trilogie, gerade am Anfang bleibt alles ziemlich gleich, nur nach und nach verändern sich Kleinigkeiten. Dadurch bleibt die Spannung auf einem doch eher niedrigeren Niveau, da Vieles schon bekannt ist.
Und sollte man doch Neuleser sein, könnte man das Gefühl haben, dass die Geschichte eher vor sich hinplätschert, denn wirklich heftigere Entwicklungen bleiben aus. Auch Tris „Unbestimmtheit“ spielt erst einmal absolut keine Rolle, hat nicht den Stellenwert, den das in der ersten Trilogie hatte.
Alles in allem mag dies eine nette Idee darstellen, wirkt dennoch etwas blutleer, weil die Geschichte gerade in diesem Band auf ausgetretenen Pfaden wandelt und keine wirklich dramatischen Konflikte in die Wege leitet. Auch wirken die zentralen Figuren trotz eigener Kapitel viel blasser als früher.
„The Sixth Faction“ bietet auf den ersten Blick eine interessante Prämisse, hat aber leider auch damit zu kämpfen, dass die Autorin sich erst viel zu spät von der früheren Geschichte löst und es dadurch auch nicht schafft, das Abenteuer in eine andere Richtung als die bekannte zu lenken. Gerade weil sie viel zu viel als bekannt für den Leser voraussetzt und auch nicht mehr so viel erklärt, wirkt vieles für Neuleser als auch alte Fans eher unausgegoren und blutleer.