Ilona Andrews: This Kingdom Will Not Kill Me (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Sonntag, 04. Oktober 2026 17:02

Ilona Andrews
This Kingdom Will Not Kill Me
Maggie the Undying 1
(This Kingdom will not Kill Me, 2026)
Übersetzung: Sybille Uplegger
Cove, 2026, Hardcover, 752 Seiten, 26,00 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Maggie ist eine junge Frau, die, nachdem sie ihre Lehre bei den Ermittlungsbehörden abgebrochen und Politik studiert hat, ihr Dasein mit dem Auslie-fern von Bestellungen fristet. Das Einzige, was sie aufrechthält, sind die ersten beiden Bände einer Fantasy-Trilogie um die mittelalterliche Stadt Kair Toren, die sie schon gut ein Dutzend Mal gelesen hat. Allerdings lässt der abschließende dritte Teil seit Jahren auf sich warten.
Und nun raten Sie doch einmal, was passiert?
Richtig, Maggie wacht eines Tages in exakt dieser Stadt auf. Sie weiß genau, was passieren wird, sie kennt die Mächtigen im Reich, ihre Geheimnisse und ihre Vorhaben. Und sie weiß, dass sie die Geschichte, so wie sie sie gelesen hat, nicht passieren lassen will.
Nackt, ohne jegliche monetäre Mittel, ohne Freunde und Unterstützer aber sind ihre Chancen, auch nur einen Tag zu überleben, denkbar gering. Da kommt es gut, dass sie, einmal tot, in Bälde wieder zum Leben erwacht.
Und so macht sie sich an die mehr als mühsame Aufgabe, ihr Wissen umzumünzen - sich einen Namen zu machen, Freunde und Verbündete zu finden und ihren Gegner das Fürchten zu lehren.
Denn merke: Wer die Zukunft kennt, weiß um alle finsteren Pläne und darum, wie man sie verhindern kann. Bis sie feststellt, dass ihre Anwesenheit die Handlung, wie sie sie aus den Büchern kennt, verändert…
Portal Fantasy, so nennt man diese Art von Fantasy-Romanen, in denen eine zumeist junge Frau plötzlich und unerwartet in einer Fantasy-Umgebung aufwacht. Zumeist wird sie - durch welche Kräfte auch immer - in ein archaisches Setting versetzt, entdeckt dort nicht nur besondere Fähigkeiten, sondern findet auch die Liebe ihres Lebens. Nach einer Zeit der Rivalität tun sich die Beiden zusammen und retten das Reich, gerne auch die Welt.
Der vorliegende Roman - wieder einmal der Auftakt einer Trilogie - offeriert uns auf den ersten Blick genau dieses Muster. Ist Ihnen aufgefallen, dass ich eine Einschränkung eingebaut habe? Was zunächst nach Schema X aussieht, überrascht schon zu Beginn durch Tempo, Ideen, witzige Dialoge und jede Menge unerwarteter Wendungen. Dazu trägt natürlich bei, dass unsere Erzählerin, immer wenn sie das Zeitliche segnet, von den Toten wieder aufersteht. Nein, kein Zombie, auch kein Vampir, sie wacht nach dem Exodus einfach wieder auf - allerdings ist dies ein recht schmerzhafter Prozess.
Mit und durch sie lernen wir nicht nur das Reich, seine Machtstrukturen und die adeligen Herrscher kennen, wir begleiten unsere junge Dame auch bei ihren Fehlern. Andrews, die mir aus ihrer bei Lyx erschienenen Reihe um die „Stadt der Finsternis“ schon als gute, weil packende und locker aufbereitete Erzählerin im Gedächtnis geblieben war, legt auch hier wieder ein Werk vor, das sich prima flüssig und spannend liest.
Gemeinsam mit der Protagonistin lernen wir das Reich, seine Machtstrukturen und seine Herrscher kennen. Gleichzeitig erleben wir, wie Maggie trotz ihres Wissens Fehler macht, Rückschläge erleidet und sich ihren Platz in der Welt hart erarbeiten muss. Die Autorin beweist auch hier ein gutes Gespür für Spannung, Timing und Figurendarstellung. Das Ergebnis liest sich ausgesprochen flüssig und macht es dem Leser leicht, der Handlung zu folgen.
Nicht ohne Grund hat Carlsen den Roman in seinem Romantasy-Imprint Cove veröffentlicht. Mit Wendecover und Rundum-Farbschnitt ausgestattet, scheint die Zielrichtung klar zu sein. Umso überraschender ist es, dass die Liebesgeschichte lediglich eine fast zu vernachlässigende Nebenrolle spielt. Zwar gibt es einen einzigen kurzen Moment, in dem die Gefühle hochkochen, insgesamt konzentriert sich die Autorin jedoch deutlich stärker auf Abenteuer, Intrigen und die Entwicklung ihrer Heldin.
Natürlich kann man einwenden, dass manche Figuren recht schablonenhaft geraten sind, ihre Handlungen gelegentlich vorhersehbar wirken und die Geschichte keine allzu große thematische Tiefe besitzt. Doch genau darum geht es hier auch gar nicht. Der Roman möchte in erster Linie unterhalten - und das gelingt ihm hervorragend. Er bietet einige Stunden kurzweilige, spannende High Fantasy und hebt sich dabei wohltuend von vielen der zuletzt erschienenen Romantasy-Titel ab. Das Ergebnis liest sich ausgesprochen angenehm und macht schlicht Spaß - ein Urteil, das ich in diesem Subgenre in den vergangenen Jahren nicht allzu häufig vergeben konnte.