Sebastien de Castell: Für Gold und Magie - Pakt der Magier 1 (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 24. September 2026 06:40

Sebastien de Castell
Für Gold und Magie
Pakt der Magier 1
(The Malevolent Seven, 2023)
Übersetzung: Wolfgang Thon
Blanvalet, 2026, Paperback, 448 Seiten, 18,00 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Einst war die Welt sicherer, einfacher und geordneter. Inzwischen tragen die Mächte des Guten und die dämonischen Herrscher ihre Kämpfe nicht mehr selbst aus - geht auch gar nicht, können sie doch die Dimension der Menschen gar nicht betreten. Stattdessen nutzen sie Sterbliche, die für sie eintreten.
Zwei von ihnen sind der Söldnermagier Kead und sein Kumpel, der Sturmmagier Korrigan. Sie sind, wie sie selbst als Erste zugeben, nicht die Guten. Mit ihren arkanen Kräften meucheln sie, im Auftrag ihrer in Gold zahlenden Auftraggeber versteht sich, auch schon einmal eine Armee nieder, die sich bereits bedingungslos ergeben hat.
Zurück zu Kead - ein Mann, der eine illustre Vergangenheit hat. Einst in Diensten der Engelkin, besorgt er sich nunmehr seine Zauber, indem er den Dämonen Teile seiner Seele verkauft.
Dann bekommen unsere Beiden ein Angebot, das sie schlicht nicht ausschlagen können. Sie sollen fünf weitere Wunderwirker rekrutieren, nach Norden reisen und in „Magiers Gruft“ die „Sieben Brüder“ ausschalten. Als Belohnung gibt es Zugang zum legendären „Apparatus“, der Erlösung oder grenzenlose Macht verspricht.
Zunächst aber gilt es, Begleiter - Kameraden kann man sie nicht nennen - zu sammeln. Eine junge Blutmagierin, ein exzentrischer Rattenmagier, eine gefallene Engelkin und eine der Hölle entkommene Infernale sowie ein Schakal schließen sich ihnen an.
Die Reise führt die Gruppe durch Schlachtfelder, magische Unterwelten, bizarre Städte und sogar in höllische Reiche. Während die Mitglieder der Truppe ständig streiten, sich gegenseitig betrügen oder beinahe umbringen, entdecken sie nach und nach eine Verschwörung von gewaltigem Ausmaß.
Engel und Dämonen arbeiten hinter den Kulissen an einem Plan, der die Grenzen zwischen ihren Welten und der Menschenwelt aufbrechen könnte. Die angeblichen Feinde sind dabei oft nur Schachfiguren in einem viel größeren Spiel …
Sebastien de Castell zählt im englischsprachigen Raum zu den beliebtesten Verfassern von High-Fantasy-Zyklen. Bei uns begann Piper mit seiner „Greatcoats“-Reihe, bei dtv wurden die ersten beiden Romane seiner Reihe um „Die Karten des Schicksals“ aufgelegt. Allein, der große Erfolg blieb leider aus.
Nun hat sich Blanvalet seine neueste Trilogie gesichert. Die ersten zwei Teile erscheinen in kurzem Abstand, Band 3 erscheint im Original in diesem Herbst; die Übersetzung wird hoffentlich zeitnah publiziert.
Auf den ersten Blick präsentiert sich uns ein Plot, der dem Gewohnten entspricht. Eine Gruppe zwielichtiger Helden sucht und findet sich, und jeder der Gefährten hat sein oder ihr dunkles Geheimnis. Zusammen machen sie sich auf, durch eine Welt voller Gewalt, Not und Ungerechtigkeit ihren Auftrag auszuführen.
Die Suche führt sie und uns durch ganz unterschiedliche Szenarien.
De Castell nutzt die Reise, um uns die Brutalität seiner Welt, der Hölle und ihrer Bewohner zu zeigen. In all dieser Gewalt und dem Egoismus der Figuren blüht aber immer auch ein kleines Pflänzchen der Hoffnung.
Die hier zutage tretende Mischung aus Grimdark Fantasy und schwarzem Humor, verbunden mit einem hohen Tempo, ständigen Kulissenwechseln und jeder Menge unerwarteter Wendungen, macht die Lektüre so packend. Die moralisch fragwürdigen Helden, die trotz ihrer immer wieder auftretenden Skrupellosigkeit nicht unsympathisch wirken, tun ein Übriges, uns an die Seiten zu bannen.
Auch die so andere Magie, die uns de Castell offeriert, trägt zum Lesevergnügen bei. Der Verfasser stellt gerne gängige Fantasy-Klischees auf den Kopf und überrascht uns immer wieder mit ungewohnten Lösungen und Entwicklungen. Angesichts der sieben „Antihelden“ bleibt leider für manche von ihnen zu wenig Platz, um sie vielschichtig zu zeichnen. Vielleicht werden wir in den beiden folgenden Teilen mehr von ihnen erfahren.
So bleibt mir als Fazit, dass de Castell uns einen sehr unterhaltsamen, düsteren und oft ausgesprochen witzigen Fantasy-Roman mit originellen Magie-Ideen und einer starken Hauptfigur offeriert, der Lust auf die Fortsetzungen weckt.