Meine Wurzeln (Comic)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Freitag, 04. September 2026 15:13

Lou Lubie
Meine Wurzeln
Übersetzung: Carolina Furrer
Helvetiq, 2026, Hardcover, 224 Seiten, 27,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Mehr oder weniger autobiographisch erzählt Lou Loubie in ihrem Comic von Rosa, die auf La Réunion aufgewachsen ist und ein Problem hat: ihre krausen Haare. Dieses Thema ist mehr als eine Sache der Schönheit, sondern geht viel tiefer.
Rosa ist Kind einer farbigen Mutter und eines weißen Vaters. Sie könnte als jemand aus seiner Welt durchgehen - wenn da nicht eine Sache wäre: Ihre Haare sind nicht glatt, so wie es die Norm sein sollte, sondern kraus. Und das ist ein Ärgernis, schon in ihrer Kindheit.
Die Mutter erzieht ihre Tochter leider in dem Glauben, dass nur glatte Haare schön sind. Und so tut das Mädchen schon in der Schule alles, um das zu ändern, läuft lange Zeit sogar mit rasiertem Kopf herum. Es braucht viele Jahre, bis sie erkennt, was wichtig ist.
Und was auch dahintersteckt, denn noch heute haben Menschen mit krausen Haaren ein Problem, selbst wenn sie nicht unbedingt dunkel sind. Aber „dank“ des weiterhin präsenten Rassismus gelten sie dadurch als minderwertig, gerade in einer Gesellschaft, die immer noch mit den Schatten der Sklaverei lebt. Gleichzeitig lernt man auch eine Menge über die Geschichte und die Gesellschaft von La Réunion, dem französischen Übersee-Department, erfährt mehr über die dort lebenden Volksgruppen und ihre Bedeutung und Möglichkeiten.
Gerade Rosa sitzt als Mischling zwischen den Stühlen. Das ändert sich auch in Paris nicht, als sie zu studieren beginnt. Dort versucht sie alles, um als „normal“ durchzugehen - angefangen mit extrem kurzen Haaren, über chemische und mechanische Glättungen bis hin zu Braids. Dabei lernt sie auch viel über die Akzeptanz verschiedenster Gruppen. Bis sie endlich zu denen findet, die ihr die Augen öffnen.
Das Ganze wird sehr lebensnah und glaubwürdig erzählt, öffnet gerade denen, die nicht damit zu kämpfen haben, die Augen, was Leute mit krausen Haaren durchzustehen haben und welche Schatten immer noch über ihnen liegen.
Anschaulich und nachvollziehbar taucht man in die Welt der Heldin ein, fühlt, kämpft und leidet mit ihr, freut sich aber auch, dass sie irgendwann ihren Weg findet. Und das wird sehr spannend und liebevoll in Szene gesetzt.
„Meine Wurzeln“ erzählt von den gesellschaftlichen Problemen, die Menschen haben, deren Haar nicht unbedingt der westlichen „Schönheitsnorm“ entspricht, begleitet mit dem dazugehörenden rassistischen Stereotypen. Die Künstlerin macht auf warmherzige Weise darauf aufmerksam, warum das alles nicht sein müsste und ein Umdenken wichtiger denn je ist.