James Corey: Der Glaube der Bestien - The Captive‘s War 2 (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 03. September 2026 16:10

James Corey
Der Glaube der Bestien
The Captive‘s War 2
(The Faith of Beasts, 2026)
Übersetzung: Jürgen Langowski
Titelbild: Daniel Dociu
Heyne, 2026, Hardcover, 492 Seiten, 24,00 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Die Autoren Ty Franck und Daniel Abraham, die nach „The Expanse“ nun unter dem gemeinsamen Pseudonym James Corey die Reihe „The Captive's War“ veröffentlichen, setzen die Handlung des Auftaktbands vorliegend nahtlos fort.
Nach der Eroberung der Menschenwelt Anjiin - selbst eine verlorene Menschenkolonie mit geheimnisvoller Vergangenheit - durch die übermächtige außerirdische Spezies der Carryx wurden ein Achtel der Bewohner gefangengenommen und versklavt. Die Aliens entführten dabei gezielt die führenden Köpfe der Gesellschaft, während jene zurückblieben, die das tägliche Funktionieren der Zivilisation sicherstellen. Die Verschleppten sollen als potenzielle Vasallen für die endlosen Expansionskriege der Carryx getestet werden.
Die Menschen sind in ihrer Rolle als Sklaven keineswegs allein. Seit Jahrtausenden unterwerfen die Carryx zahllose eroberte Spezies und pressen sie in ein erbarmungsloses Herrschaftssystem, das ganz auf den ewigen Krieg gegen die geheimnisvollen „Unsterblichen“ ausgerichtet ist.
Im Mittelpunkt stehen erneut die Mitglieder eines menschlichen Forschungsteams, das den qualvollen Transport zur Hauptstadtwelt der Carryx überlebt hat.
Allmählich gewöhnen sie sich an ihre neue Existenz als potenziell nützliche, zugleich aber jederzeit entbehrliche Bestandteile eines Regimes, in dem Nützlichkeit gleichbedeutend mit Überleben ist.
Dafyd Alkhor war einst ein politisch hervorragend vernetzter Wissenschaftler, der sich auf Anjiin eine einflussreiche Stellung als Lobbyist gesichert hatte. Nun sieht er seine Aufgabe darin, gemeinsam mit anderen Gefangenen das Überleben der versklavten Menschheit zu sichern und zu versuchen, an den Sklavenherren Rache zu nehmen.
Um den drohenden Genozid abzuwenden, muss er seine Herren verstehen lernen. Als Sprecher der Menschen steht er in direktem Kontakt zu ihrem außerirdischen Vorgesetzten, einem „Wächter-Bibliothekar“. Seine privilegierte Stellung macht ihn jedoch nicht nur zum Hoffnungsträger, sondern auch zum Objekt von Neid und Hass unter seinen Mitgefangenen.
Ein Teil des ursprünglichen Teams wurde inzwischen für andere Aufgaben abkommandiert. Campar und Rickar werden unter der Aufsicht der „Riesenschnecke“ Vaudai in ein aktives Kriegsgebiet entsandt, wo sie ein erbeutetes feindliches Kriegsschiff untersuchen sollen. Vaudai revanchiert sich für die fremden Spezies-Bezeichnungen, indem er die Menschen gerne als „Stöcke mit Fleisch dran“ bezeichnet.
Die chronisch depressive Jessyn wiederum wird Mitglied eines artenübergreifenden Expeditionsteams, das einen neu eroberten Planeten erkunden soll. Die Carryx erhoffen sich dort Hinweise auf ihren geheimnisvollen Feind.
Währenddessen versucht Dafyd, die Zukunft der Menschheit innerhalb des Imperiums der Carryx zu sichern. In Brut-Stationen werden bereits Säuglinge aufgezogen, aus denen die nächste Generation menschlicher Diener hervorgehen soll. Unterstützung erhält er dabei von einem rätselhaften Wesen: einem Spion der Unsterblichen, der sich selbst „der Schwarm“ nennt und jede beliebige Gestalt annehmen kann. Besonders verstörend ist, dass der Schwarm die Erinnerungen und Persönlichkeiten verschiedener Wirte, verstorbener Weggefährten Dafyds, in sich trägt, was die Zusammenarbeit emotional erheblich belastet.
Eigentlich geschieht in diesem immerhin fast 500 Seiten starken Roman erstaunlich wenig. Die Menschen von Anjiin haben sich notgedrungen mit ihrer neuen Rolle arrangiert und bemühen sich, innerhalb der vielschichtigen Vasallengesellschaft der Carryx ihren Platz zu finden.
Entsprechend verschiebt sich der Schwerpunkt der Handlung. Die Handlungsstränge um Jessyn, Rickar und die übrigen Expeditionsteilnehmer dienen vor allem dazu, den Lesenden tiefere Einblicke in die Kriegsmaschinerie der Carryx sowie in die Natur ihrer unsterblichen Gegner zu vermitteln. Dabei enthüllen die Autoren einige ebenso überraschende wie folgenreiche Geheimnisse.
Gleichzeitig gewinnt Dafyd zunehmend Erkenntnisse über die streng hierarchische Machtstruktur seiner Herren. Dabei entdeckt er, dass er und seine Verbündeten keineswegs die Einzigen sind, die versuchen, die Carryx besser zu verstehen und Wege zu finden, sie eines Tages zu bekämpfen - oder sogar zu besiegen.
All dies kommt mit vergleichsweise wenig Action aus. Dennoch gelingt es den Autoren mühelos, die Lesenden an die Seiten zu fesseln. Verantwortlich dafür sind vor allem die faszinierende Darstellung der zahlreichen außerirdischen Spezies, die komplexen politischen Strukturen des Carryx-Imperiums und die stetig wachsenden Einblicke in die Geheimnisse dieses ungewöhnlichen Universums.
Ursprünglich war die Reihe als Trilogie projektiert. Inzwischen mehren sich aber Stimmen, die vermuten, dass die Autoren ihre Schöpfung, aufgrund deren Komplexität eher auf noch mehrere Bände ausdehnen werden. Warten wir hier gespannt, wie es weitergehen wird.