Arno Hach: Die fremde Maske (Buch)

Arno Hach
Die fremde Maske
Titelbild und Innenillustrationen: Falpico
Edition Dunkelgestirn, 2026, Hardcover, 192 Seiten, 24,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Eric Hantsch präsentiert uns bereits sein zweites Buch in diesem Jahr innerhalb der Edition Dunkelgestirn. Für den vorliegenden Band hat er einen vergessenen deutschsprachigen Autor entdeckt, dessen Geschichten wunderbar ins Verlagsprogramm passen. Soll heißen, die vierzehn „phantastischen und malitiösen Erzählungen“ dürften dem Liebhaber phantastischer und gruseliger Literatur während der Lesestunden wohlige Schauer über den Rücken laufen lassen.

Wie gewohnt ist der Band auf 125 Exemplare limitiert, wurde von Hantsch sowie dem Künstler Falpico auf einem Signum-Aufkleber signiert und präsentiert sich auch handwerklich wieder herausragend. Der geprägte Leinenband ist in blaues, silbrig gesprenkeltes Leinen gebunden. In den Deckel wurde - passend zum Titel - eine silberne Maske eingeprägt, während der Rücken ebenfalls mit Autor und Titel in Silber versehen ist. Lesebändchen sowie Farbillustrationen zu jeder Erzählung runden das bibliophile Erscheinungsbild ab.

Inhaltlich warten sehr unterschiedliche Beiträge auf uns. Neben recht kurzen Geschichten bestimmen zwei Novellen den Band.


Zunächst ist hier „Die Menschenhaut“ zu nennen, in der uns der Verfasser in die Zeit der Französischen Revolution entführt.
Zu Beginn begegnet uns ein Adeliger, der einem der Nutznießer der Aufstände einen besonderen Auftrag erteilt. Auf wirtschaftlichen Erfolg bedacht, nutzt dieser die zahlreichen Leichen, die die Guillotine hinterlässt, um den Opfern die Haut abzuziehen und daraus feinste Lederarbeiten zu fertigen. Eigentlich schon gruselig genug, lässt sich unser Erzähler aus der Haut einer lasziven Mörderin neue Beinkleider schneidern - mit gar drastischen Auswirkungen, wie man sich vorstellen kann.
Geschickt spielt der Autor hier mit den Erwartungen seiner Leser. Auf den ersten „Schock“ der kommerziellen Nutzung von Leichen setzt er noch eine Geschichte, die uns von einer morbiden, lasziven Faszination berichtet, bevor sie im Finale in - nun, das dürfen Sie selbst goutieren.

Die andere, den Band dominierende Novelle ist eben jene, die dem Buch seinen Titel verliehen hat. Hier geht es um den russischen Zaren, genauer gesagt um dessen Leibwächter, die man heute wohl eher als Personenschützer bezeichnen würde.
Während zwei russische Agenten darauf warten, ob ihr Schutzbefohlener überhaupt auf der Soirée auftaucht, erzählt einer der beiden, wie er bei einem vergleichbaren Einsatz dem Monarchen das Leben gerettet hat. Es war, wie im vorliegenden Fall, ein Maskenball, in dessen Verlauf ihm eine maskierte Frau auffiel. Letztlich konnte er das Attentat verhindern - allein, er verliebte sich unsterblich in die Mörderin. Nachdem diese gehängt wurde, sollte die tragische Liebe eigentlich damit ihr Ende gefunden haben. Sollte…
Nicht ganz so überraschend und schockierend, wie die zuvor angerissene Erzählung fängt uns Hach auch hier mit seinen gekonnten Beschreibungen der Erzähler - Täter wie Opfer - ein. Wieder wartet ein so nicht vorhersehbares Finale auf uns, wieder werden wir zunächst auf eine falsche Fährte geführt und dann überrascht.


Insgesamt ist dies ein Band, der bestens zu unterhalten weiß - ein Buch, das unheimliche Preziosen für uns bereithält und Lesestoff für viele lange Herbst-Abende bietet.