Stacey McEwan: A Forbidden Alchemy - Das Geheimnis der Alchimistin (Buch)

Stacey McEwan
A Forbidden Alchemy - Das Geheimnis der Alchimistin
The Artisan 1
(A Forbidden Alchemy, 2025)
Übersetzung: Ariane Yoshihiro-Storm
Heyne, 2026, Hardcover, 574 Seiten, 24,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Die australische Autorin Stacey McEwan verfasste bisher nur Jugendromane. Nun wagt sie sich mit ihrer Reihe „The Artisan“ auch in die Erwachsenenliteratur vor. Der erste Band, „A Forbidden Alchemy - Das Geheimnis der Alchemistin“, legt auch gleich richtig los.


Nina Harrow, als Halbwaise aufgewachsen in einer der schmutzigen Bergarbeiterstädte am Rande des Reiches, will einfach nur weg aus Scurry. Sie bekommt mit zwölf Jahren die Chance dazu, als alle Kinder nach Belavere gerufen werden, um sich einer Prüfung zu unterziehen.

Sie bekommen die Chance durch einen Trank herauszufinden, ob sie magisches Talent besitzen und deshalb auf eine besondere Schule gehen dürfen, um entsprechend ausgebildet zu werden. Dabei lernt sie Patrick kennen, einen vorlauten Jungen. Die Beiden verlieren sich allerdings aus den Augen, nachdem sie einem Geheimnis auf den Grund kommen…

Nina bekommt, was sie will. In ihr erwachen Elementarkräfte, ist sie doch von nun an in der Lage, Erde zu kontrollieren, was in einer Gesellschaft wie der ihren Bedeutung hat. Allerdings bleibt auch das Wissen um die Lügen, die man ihnen allen - auch den Schülern der Alkademie - aufgetischt hat, bestehen.

Und so zieht sie Jahre später die Konsequenzen und verschwindet aus dem Dunstkreis der Mächtigen. In einem Land, in dem es mächtig brodelt, immer wieder Aufstände ausbrechen und jederzeit eine Revolution der unzufriedenen Arbeiter in den Iridiumminen startet, gerät sie schon bald zwischen die Fronten. Und immerhin sieht sie nun auch Patrick wieder.


Vielleicht ist die Geschichte als Romantasy ausgelegt, die Autorin bricht aber mit den üblichen Konventionen, denn sie konzentriert sich bewusst mehr auf die Charaktere und ihre Entwicklungen, nimmt sich auch jede Menge Zeit, um das Szenario und den Hintergrund aufzubauen.

Die magischen Elemente bleiben dezent im Hintergrund, auch wenn sie ein wichtiger Teil der Handlung sind. Tatsächlich dreht sich alles mehr um die gesellschaftliche Ungleichheit zwischen den mächtigen Lords, die dafür sorgen, dass niemand aus den niederen Schichten ausbrechen kann, auch wenn man der einfachen Bevölkerung das vorgaukelt, von denen viele in den Minen arbeiten und ihren Lebensunterhalt auch mit der Zerstörung ihrer Gesundheit bezahlen.

Nina steht zwischen den Welten und muss sich entscheiden, zu welcher sie gehören, will, während Patrick seine Wahl schon lange getroffen hat, aber vor anderen Herausforderungen steht. Und auch wenn sie beide wieder aufeinandertreffen und sich auch leidenschaftlich näherkommen, konzentrieren sie sich bewusst darauf, ihren Platz in der Welt zu finden und ein korruptes System zu zerbrechen.

Das Ganze wird spannend in Szene gesetzt, mit wechselnden Loyalitäten, Zeitsprüngen, Intrigen und Verrat.

Nicht zuletzt darf auch die Atmosphäre überzeugen, die in der Spätphase der industriellen Revolution angesiedelt ist, in der der Enthusiasmus längst Nüchternheit Platz gemacht hat, weil die Schäden für Menschen und Umwelt unübersehbar sind. Wie in den Industrie- und Bergbaustädten den frühen 20. Jahrhunderts brodelt es gewaltig. Und das wird mit sehr viel Sorgfalt in Szene gesetzt und spannend verarbeitet. Damit die Leser besonders neugierig bleiben, endet das Geschehen auch in einem Cliffhanger.

„A Forbidden Alchemy - Das Geheimnis der Alchemistin“ fällt ein wenig aus dem üblichen Rahmen, den man bei Romantasy erwartet. Tatsächlich bietet der Roman mehr Abenteuer und Drama als Liebe, konzentriert sich vor allem auf die Entwicklung der Figuren und bewegt sich in einer Gesellschaft, die vor einem grundlegenden Wandel stehen könnte.