Hendrik Lambertus: Das Rad der Welt (Buch)
- Details
- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Dienstag, 30. Juni 2026 15:20

Hendrik Lambertus
Das Rad der Welt
Rowohlt Taschenbuch, 2026, Taschenbuch, 624 Seiten, 15,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Hendrik Lambertus liegt das Schreiben von Historischen Romanen am Herzen, gerade weil er durch seinen Beruf, er ist promovierter Skandinavist/Mediävist, immer wieder in mittelalterliche Welten eintauchen konnte und so faszinierende Details in der Geschichte entdeckte, die andere Autoren eher links liegen gelassen haben. So dreht es sich in „Das Rad der Welt“ um die größte historische Weltkarte des Mittelalters.
Agnes weiß als Tochter des Fürsten Otto, welches Schicksal sie erwartet. Denn dieser ist nicht gewillt, seiner eigenwilligen und wissbegierigen Tochter einen anderen Weg als die Ehe mit einem Adligen zu erlauben, der der Familie ein passendes Bündnis einbringt. Doch das Mädchen hat eigene Ideen, gerade nach dem Zusammentreffen mit Liudger.
Der junge Wanderkrämer teilt ihre Leidenschaft für die Welt und so träumt das Mädchen schon früh von einer „Mappa Mundi“, auf der alle Länder der Welt zu finden sind. Aber der Traum wird scheinbar erst einmal zerschlagen, als ihre Freundschaft auffliegt und sie in das Heidekloster Ebsdorf verbannt wird.
Doch wie so oft scheint gerade das eine Chance zu sein, denn die Bibliothek des Klosters enthält ungeahnte Schätze. Allerdings scheinen die zunächst unerreichbar. Aber Agnes ist selbstbewusst und eigenwillig genug, um Schlupflöcher zu finden und ihrem Traum weiteres Futter zu geben.
Verwoben ist das Ganze mit anderen Lebensgeschichten, die alle nach und nach miteinander verknüpft werden, um ein rundes Bild zu bieten. Spannend dabei ist, dass es letztendlich erst einmal nicht um die große Politik oder eine Liebesgeschichte geht, sondern um etwas ganz anderes: Die Leidenschaft für das Wissen und ein besonderes Thema, das viele Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund miteinander verbindet.
So stehen neben Agnes weitere Figuren im Mittelpunkt, die durch ihre Lebensgeschichte nicht nur wichtige Informationen liefern, sondern auch das Bild der Zeit um 1300 atmosphärisch erweitern. Deren Schicksale werden genau so liebevoll und detailreich behandelt, wie das Leben von Agnes und Liudger, die einen Hauch Romantik bieten, eine Liebe, die mehr Freundschaft als Leidenschaft ist und durch ihre „Unmöglichkeit“ für ein wenig Spannung sorgt.
Dazu kommen natürlich auch wieder politische Intrigen, die wunderbar in diese Zeit passen.
Das Geschehen mag bis auf die Karte keine Spekulation sein, ist aber spannend und atmosphärisch erzählt, mit lebendigen Figuren und interessanten Entwicklungen, die dafür sorgen, dass man das Buch nur ungern aus der Hand legt.
„Das Rad der Welt“ nimmt sich eines eher unbekannten Themas an, nutzt es aber geschickt, um die Gegend um Lüneburg stimmungsvoll und atmosphärisch zum Leben zu erwecken. Das Buch lebt vor allem durch die facettenreichen Personen und den abwechslungsreichen Hintergrund.