Precious Metal - Aus der Welt von Little Bird (Comic)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Sonntag, 17. Mai 2026 08:03

Precious Metal - Aus der Welt von Little Bird
(Precious Metal 1-6, 2025)
Text: Darcy van Poelgest
Zeichnungen: Ian Bertram
Übersetzung: Frank Neubauer
Cross Cult, 2026, Hardcover, 320 Seiten, 25,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Darcy van Poelgeest und Ian Bertram siedelten ihre Geschichte in einer dystopischen, von einer brutalen Kirche unterdrückten Nordamerika an, in der gerade einmal in den Wäldern Kanadas Widerstand geleistet werden konnte. „Little Bird“ wurde damals mit dem Eisner Award ausgezeichnet. Nun legen sie eine weitere Geschichte aus derselben Welt nach, allerdings ist „Precious Metal“ 35 Jahre in der Vergangenheit angesiedelt.
Max Weaver ist ein Mod-Tracker, das heißt, er verfolgt und stellt im Auftrag Menschen und andere Kreaturen, die auf irgendeine Weise verändert wurden. Allerdings macht er das nur, weil er muss, denn er hat inzwischen alle positiven Vorstellungen über seine Arbeit verloren.
Dann nimmt die Suche nach einem veränderten Kind eine überraschende Wendung. Denn nicht nur, dass er nun einen unberechenbaren Mod an die Seite bekommt, der ihm helfen könnte, seine Erinnerungen wiederzufinden, nein, es sind auch noch andere an dem Kind interessiert… und so ein zu allem entschlossener Kult ist gefährlich.
Auch die Vorgeschichte, die locker mit „Little Bird“ verbunden ist, spielt schon in einer Welt, in der sich jeder selbst der Nächste ist und das auch noch durch das Regime gefördert zu werden scheint. Allerdings kommt diese Zeit etwas chaotischer daher und erinnert in ihrer Darstellung an die psychedelischen Welten, die französische Künstler in den 1970er und 1980er Jahren erschufen. Es kommen dabei Erinnerungen hoch - man merkt deutlich, dass sich die beiden jungen Künstler vor den alten Comic-Meistern verbeugen und die Traditionen mit einer modernen Sichtweise verbinden wollen.
Immerhin ist Max Weaver ein vertrauter Protagonist, eine Art Kopfgeldjäger, der selbst ein ordentliches Päckchen zu tragen hat und nicht wirklich weiß, was er überhaupt noch will. Vielleicht seine Erinnerungen wiederfinden - aber ist es den Ärger mit dem Mod überhaupt wert? Er versucht sich jedenfalls - wie jeder Held dieser Geschichten - irgendwie durchzuwurschteln und am Leben zu bleiben. Denn die Welt und auch seine Gegenspieler erweisen sich als unerbittlich.
Dies spiegeln auch die surrealen Bilder wider, die mit roten Farbtönen und Blut - beziehungsweise Blutspritzern - nicht sparen. Denn die Figuren kämpfen mit harten Bandagen um das Objekt ihrer Begierde.
Man muss „Little Bird“ nicht kennen, um die Vorgeschichte zu verstehen, allerdings macht es das ein wenig leichter, da der Hintergrund nicht so deutlich erklärt wird. Fans werden jedoch die eine oder andere Querverbindung wiederentdecken können.
Die Macher erzählen keine geradlinige Abenteuer-Geschichte mit viel Action, sondern binden auch viele hintergründige Momente ein, die den Leser herausfordern und zum Nachdenken bringen sollen, denn die Handlung bietet weitaus mehr als die aus dem Genre bekannten Elemente.
Wie auch schon die Mutterserie so ist auch „Precious Metal“ ein Fest für alle Fans von surrealen SF-Storys und Dystopien, wie sie schon die frankobelgischen Altmeister vor gut fünfzig Jahren schufen. Die Künstler schaffen es, die wichtigsten Elemente einzufangen, aber gleichzeitig auch in die Moderne zu übertragen und frisch zu interpretieren.