Jessica S. Olsen: Spiel des Lügners (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Dienstag, 28. April 2026 08:07

Jessica S. Olsen
Spiel des Lügners
Schattenbrüder 1
(Den of Liars, 2023)
Übersetzung: Anja Hansen Schmidt
Titelbild und Page-Overlay: Wencke Schaper
Fischer Sauerländer, 2026, Hardcover, 480 Seiten, 21,90 EUR
Rezension von Christel Scheja
Manchmal bedarf es keines ausgefeilten Weltenbaus, um eine spannende Fantasy-Geschichte zu erzählen, vor allem wenn sie sich nur an wenigen Schauplätzen abspielt. Jessica S. Olson nutzt in „Spiel des Lügners“ jedenfalls ein Szenario, das vielleicht auch ohne Magie funktioniert hätte, auch wenn diese der Handlung ein bisschen mehr Pep gibt. Das Buch ist der Auftakt der „Schattenbrüder“-Dilogie.
Lola St. James hat sich eines in den Kopf gesetzt: Sie will am Turnier im Casino des „Lügners“ teilnehmen um für ihren Boss, den „Dieb“ ein wertvolles magisches Artefakt zu stehlen. Doch um mitzumachen, muss sie selbst ein gefährliches Geheimnis preisgeben. Und das hat es in sich, ist sie doch die totgeglaubte Tochter eines mächtigen Mafiabosses. Das ist aber nicht das Einzige, denn schon bald steht sie zwischen zwei Brüdern, denen sie beide nicht trauen sollte, so faszinierend sie auch sein mögen…
Als Grundlage für ihre Geschichte nutzt die Autorin einen Heist, der mit ein paar weniger magischen Vorzeichen sicherlich auch in einem normalen Umfeld spielen könnte. Dementsprechend gehören die Fantasy-Elemente auch eher als neue Accessoires und Werkzeuge zur Ausstattung. Denn letztendlich geht es mehr um das Intrigenspiel im Casino, das schon bald gefährliche Ausmaße annimmt, zeigen sich doch sowohl der „Dieb“ als auch der „Lügner“ von Seiten, die die Heldin durcheinanderbringen.
Zudem hat sie natürlich auch noch mit den Traumata ihrer Vergangenheit zu kämpfen, weiß sie doch nicht wirklich, was eigentlich bei ihrer Entführung und ihrem vermeintlichen Tod passiert ist. Und natürlich hat auch der Mann, dem sie so lange vertraute, ein paar Geheimnisse, während der vermeintliche Gegenspieler viel netter ist, als vermutet.
Letztendlich merkt man, dass die Geschichte mit all dem ausgestattet ist, was sich heutige Romantasy-Fans wünschen: interessante Männer, eine Heldin, die stark erscheint, aber dann doch zum Spielball ihrer Lover werden darf, düstere Geheimnisse und natürlich ein Cliffhanger, der den zweiten Band schmackhaft machen will.
Die eingebrachten Ideen sind nicht schlecht, allerdings dreht sich alles mehr oder weniger um die Beziehungen, wodurch der Hintergrund und auch die Magie eher schwammig bleiben.
Die leidenschaftlichen Momente bleiben auf einem jugendfreien Niveau.
„Spiel des Lügners“ ist waschechte Romantasy mit einer durchaus spannenden Handlung wie aus einem Heist-Movie. Allerdings sollten Genre-Fans nicht allzu viel erwarten, da die phantastischen Elemente eher schmückendes Beiwerk und Werkzeuge sind, weniger wichtig für das Geschehen. Und Weltenbau gibt es keinen.