Andrew Joseph White: The Spirit Bares Its Teeth - Der Tod besiegt alles (Buch)

Andrew Joseph White
The Spirit Bares Its Teeth - Der Tod besiegt alles
(The Spirit Bares Its Teeth, 2023)
Übersetzung: Katrin Aust
Titelbild: Evangeline Gallagher
Cross Cult, 2025, Paperback, 400 Seiten, 20,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

„The Spirit Bares Its Teeth“ ist der zweite Roman aus der Feder von Andrew Joseph White, einem transqueeren Autor. Wieder spielen auch die Themen, die ihn bewegen, eine wichtige Rolle, auch wenn die Geschichte ein ganz anderes Setting besitzt und in die Vergangenheit zurückkehrt.


London im Jahr 1883. Violettäugige Medien, vor allem Frauen, sind in der Lage mit den Geistern Verstorbener zu kommunizieren, weil sich die Schleier zwischen Diesseits und Jenseits gelüftet haben. Und die Royal Speaker Society versucht dies zu kontrollieren und für ihre Zwecke zu benutzen.

Silas, ein transsexueller und autistischer Junge, versucht den Zwängen seiner Familie zu entfliehen, die ihn nicht anerkennen und in eine Ehe drängen wollen. Und da dann auch noch die Schleierkrankheit bei ihm diagnostiziert wird, landet er in im Braxton-Sanatorium, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht.


Die Geschichte vermischt geschickt Historie mit phantastischen Elementen, um einen modernen Horror-Roman zu schaffen, der Elemente der gotischen Schauer-Romantik mit einer sehr modernen Sichtweise verbindet, wird die Handlung doch ganz aus der Sicht von Silas erzählt, der gleich in doppelter Hinsicht kämpfen muss. Denn nicht nur, dass die Gesellschaft, vor allem seine Familie, seine wahre Identität nicht anerkennen will, er muss sich auch noch mit den strengen Regeln in dem Sanatorium herumschlagen, durch das die Patienten zu gehorsamen Frauen geformt werden sollen. Und nicht zuletzt nimmt er auch die Seelen verschwundener Schülerinnen wahr, die ihn auf die Spur unerhörter Verbrechen bringen.

Und das ist es wohl, was die Geschichte auch ausmacht. Man erkennt die bessere Gesellschaft der viktorianischen Zeit wieder, in der ein guter Ruf und Benimmregeln alles waren, auf der anderen Seite spielt der Roman aber auch mit den Verbrechen, die in diesen Jahrzehnten durch Mediziner an denen ihn hilflos ausgelieferten Menschen, begangen wurden. Und das wird schonungslos beschrieben.

Und nicht zuletzt zeigt das Buch auch den stillen Kampf der Transsexuellen, die alles dafür tun, ihre eigene Identität zu bewahren, auch wenn alles gegen sie zu sein scheint. Das schlägt in den Bann, auch wenn der eigenwillige Stil des Autors manchmal etwas sperrig wirkt. Aber die Atmosphäre stimmt von Anfang bis Ende und auch der Abschluss ist für die Geschichte mehr als passend.

„The Spirit Bares Its Teeth - Der Tod besiegt alles“ verbindet wieder einmal die Selbstfindungsgeschichte queerer Menschen mit einer phantastischen Handlung und schlägt so durch die ungewohnte Mischung in den Bann. Dazu kommen gehörige Horror-Elemente und eine Atmosphäre, die stark an die Schauer-Romanzen des 19. Jahrhunderts erinnert, garniert mit den Auswüchsen der viktorianischen Gesellschaft.