Lauryn Hamilton Murray: Heir of Storms (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Mittwoch, 27. August 2025 15:35

Lauryn Hamilton Murray
Heir of Storms
Storm Weaver 1
(Heir of Storms, 2025)
Übersetzung: Petra Koop-Pawis
cbj, 2025, Hardcover, 544 Seiten, 20,99 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Ich habe viele Namen. Besser gesagt: Man kennt mich unter vielen Namen - Namen, die jene, die sie mir gaben, zornig, angstvoll oder voller Hass ausstoßen. Blaze, die letzte Regensängerin, die Aquatori, die von den Göttern Verfluchte, Wechselbalg, Missgeburt, Mörderin. Und dann der letzte Name, dem ich niemals entkommen kann: Sturmweberin.
Denn das, liebe Leserinnen und Leser, bin ich. Die letzte der Sturmweberinnen. Die Frau, die als Neugeborenes einen verheerenden Sturm mit Überflutungen, Hochwasser und Tsunamis heraufbeschwor - und ihn dann bändigte. Doch seither sind meine Gaben fast vollständig erloschen.
An meinem siebzehnten Geburtstag veranstaltet meine Großmutter für mich und meinen Zwillingsbruder einen Ball. Gesandte von jedem der vier königlichen Höfe des Reichs versammeln sich in Harglade Hall, unserem Sitz, und bestaunen den Mythos der Sturmweberin - gefangen in ihrem, in meinem Kerker. Was sie nicht ahnen: selbst, wenn ich wollte, könnte ich keinen Sturm mehr heraufbeschwören. Welche Macht ich auch einst besaß - perdu, sie ist verschwunden.
Dann schlagen die Götter unbarmherzig zu. Der Thron von Ignitia muss neu besetzt werden.
Wie es Brauch ist, wählen die Götter aus den alten Geschlechtern, die jeweils mit einem Element verbunden sind, vier Prüflinge, die in einem gnadenlosen Wettstreit gesiebt werden. Der Sieger oder die Siegerin übernimmt für die nächsten Jahre die Herrschaft über das Reich.
Statt, wie ich gehofft hatte, an meinem 18. Geburtstag dem Reich, dem ich so viel Leid gebracht habe, den Rücken zu kehren und in die sagenumwobenen Anderlande aufzubrechen, muss ich zur Prüfung an den Königshof. Dort erwarten mich nicht nur neidvolle Verwandte, sondern auch zwei faszinierende Königssöhne - und düstere Geheimnisse, gepaart mit verräterischen, tödlichen Intrigen…
Was braucht es heute, um nicht nur einen Verlag für ein Manuskript zu finden, sondern auch Erfolg beim Publikum zu haben? Eine offizielle Liste gibt es nicht, aber gewisse Elemente funktionieren zuverlässig: Love Triangle, Slow Burn, Enemies to Lovers und eine ordentliche Portion Spice.
Murray hat dieses „Drehbuch“ verinnerlicht und befolgt es nahezu minutiös. Wir haben die beiden Halbbrüder - beide faszinierend und attraktiv -, die offensichtlich um die Protagonistin werben. Den Erdspalter, auf den ersten Blick ein „Bad Guy“ aus dem Lehrbuch, und den Kronprinzen, der sie täglich mit einem Strauß Rosen überrascht. Dazu kommen intrigante Konkurrentinnen, jede Menge Geheimnisse und magische Gaben, die die Heldin erst entdecken und meistern muss. Als zusätzliches dramatisches Element dienen die drei gefährlichen Prüfungen, die die Auserwählten durchlaufen müssen.
Das wirkt zunächst vorhersehbar - Vergleichbares haben wir oft gelesen. Ein wenig fehlt die Tiefe, obwohl Anknüpfungspunkte vorhanden wären. Etwa die Anfeindungen, die unsere Erzählerin für die Katastrophe erfährt, die sie als Säugling ausgelöst hat, und wie sich dies auf ihr Wesen auswirkt. Diese Thematik bleibt etwas zu oberflächlich und leicht abgehandelt.
Dennoch lässt sich dem Auftakt einer Trilogie attestieren, dass es die Autorin versteht, ihre Leserinnen und Leser bei der Stange zu halten. Die Handlung ist temporeich, die Gefühlswirrungen wohldosiert, das Magiesystem leicht verständlich, und immer neue Wendungen halten das Interesse wach.
Insgesamt eine angenehme, abwechslungsreiche Lektüre, die vor allem ein jüngeres Publikum anspricht, dieses dramatisch unterhält und neugierig auf die Fortsetzung macht.