Stefan Burban: Aus den Schatten - SKULL 4 (Buch)

Stefan Burban

Aus den Schatten

SKULL 4

Titelbild: Mark Freier

Atlantis, 2021, Paperback, 362 Seiten, 13,90 EUR

Rezension von Irene Salzmann

Der aberwitzige Plan, eine führende Person des Widerstands gegen den Zirkel und sein ausführendes Organ, das Konsortium, aus einem Gefängnisschiff zu befreien, ist geglückt („SKULL“ 3, „Die Würfel fallen“). Jennifer Fischer nutzt ihre Verbindungen, um die Skulls und die Reste der condorianischen Flotte mit potentiellen Verbündeten zusammenzubringen. Auf einem geheimen Stützpunkt treffen sich die Vertreter der beiden Flotten mit Piraten. Das Misstrauen ist groß, denn die Colonial Royal Army, der einst viele Skulls angehörten, waren die erbitterten Gegner der Piraten - warum sollten Letztere ausgerechnet jenen vertrauen und mit ihnen zusammenarbeiten, die Jagd auf sie gemacht haben?

Die Vorsicht scheint gerechtfertigt, denn die Station und die wartenden Schiffe im Orbit werden angegriffen. Dass größtmögliche Verluste angerichtet werden sollen und der Feind eine Allianz mit allen Mitteln verhindern will, bewirkt jedoch das Gegenteil. Gemeinsam jagen die Flotten den Tarnkreuzer des Zirkels und zerstören ihn. Neue Technologien wie die des Raumers sind allerdings nicht das Einzige, was der wahre Gegner einsetzt, um seine Ziele zu erreichen. Das stellen die Condorianer fest, die ihre Heimat befreien wollen, aber sie kommen zu spät, um zu verhindern, dass die neue Waffe den Planeten verlässt.

Wenig später legt eine konzertierte Aktion mit Giftgas sämtliche Armeen und Verteidigungsstrukturen der wichtigsten Welten lahm. Die Skulls und ihre Verbündeten können nur noch versuchen, den neuen Monarchen des Vereinigten Kolonialen Königreichs und alle Würdenträger, die den Anschlag überlebt haben, zu retten, um durch deren Symbolkraft den Menschen Hoffnung zu geben und um den König eine neue Führung aufzubauen.

Frische Spuren führen derweil zur Erde, von wo aus offenbar die Strippen gezogen werden - aber nicht von dem mysteriösen Zeus, dem vermeintlichen Anführer des Zirkels, wie lange vermutet wurde. Einige Puzzlestücke fallen endlich an den richtigen Platz.


Einmal mehr schickt Stefan Burban seine wichtigsten Protagonisten in fast aussichtslose Schlachten, die viele Menschenleben kosten. Der Leser begleitet die ihm bereits vertrauen Sympathieträger an verschiedene Haupt- und weitere Figuren an Nebenschauplätze, an denen das Ausmaß der Skrupellosigkeit des Zirkels deutlich wird und immer neue Informationen aufgedeckt werden, was dessen Ziele sind und wer womöglich für all das sinnlose Töten verantwortlich ist.

Commodore Dexter Blackburn muss feststellen, dass nicht jeder, dem er vertraut hat, ihm gegenüber ehrlich war. Auch enthüllt ihm Zeus seine wahre Identität. Tatsächlich ist alles ganz anders, als er ursprünglich angenommen und seit Kurzem befürchtet hat. So gern er es auch möchte, kann er nicht retten, wen er schon einmal verloren glaubte.

Derweil suchen Lieutnant Colonel Lennox Christian und sein langjähriger Kamerad Gunnery Sergeant Barrera mit einigen Soldaten nach Überlebenden des Anschlags während der Krönungszeremonie. Dabei steht die Frage im Raum, inwieweit der neue Monarch und sein Bruder in die Machenschaften des Zirkels verstrickt sind - oder ob sie selbst zu den Opfern zählen. Die Antworten und die Rettung der Würdenträger müssen sie teuer bezahlen.

Der Agent Rodney MacTavish verliert einen Großteil seiner jungen, ambitionierten Helfer, teils durch Einschüchterung, teils durch Anschläge der Handlanger des nun bekannten Gegners. Erneut trifft er auf jenen Assassinen, der ihm und seiner KI Ozzy überlegen scheint und es offenbar als persönliches Anliegen betrachtet, MacTavish auszuschalten. Gewisse Andeutungen des Autors lassen befürchten, dass es zu einem Showdown mit tragischem Ausgang kommen wird.

Da die Serie auf derzeit acht Bände angelegt ist, wird das Leiden und Sterben der Charaktere, an deren Schicksalen man nun schon seit einer Weile Anteil nimmt, eine Weile weitergehen. Obschon die einzelnen Bücher relativ in sich abgeschlossen sind, sollte man die Reihe von Beginn an lesen, weil die Ereignisse aufeinander aufbauen und die Beziehungen oder Animositäten nur mit Vorkenntnissen richtig verständlich werden. Überdies sorgt so manches nebensächlich scheinendes Detail an späterer Stelle für eine unerwartete Wendung, ohne ‚aus heiterem Himmel zu fallen‘.

Sinnvoll wäre es, würde der Autor einen Anhang beifügen, in dem wenigstens die wichtigsten der zahlreichen Akteure kurz vorgestellt und die vielen Abkürzungen erklärt werden. Da zwischen den Romanen doch immer einige Monate vergehen, würde das den Lesern erleichtern, in die komplexe Handlung zurückzufinden.

„SKULL“ ist eine spannende Military-Serie voller überraschender Entwicklungen und menschlichen Tragödien, die einen nicht so leicht loslässt, aber auch starke Nerven erfordert ob der Grausamkeiten und unzähligen Todesopfer.