Annette Juretzki: Regentänzer - Von Rache und Regen 1 (Buch)

Annette Juretzki
Regentänzer
Von Rache und Regen 1
Traumtänzer, 2019, Taschenbuch, 562 Seiten, 13,95 EUR, ISBN 978-3-947031-26-9 (auch als eBook erhältlich)

Rezension von Christel Scheja

Die 1984 in Polen geborene Autorin wuchs in Niedersachsen auf und lebt heute mit ihrem Mann in Osnabrück. Sie ist leidenschaftliche Pen-und-Paper-Rollenspielerin und hat bereits einen SF-Roman mit queeren Aliens verfasst. Nun startet sie mit „Regentänzer“ ihre Fantasy-Saga „Von Rache und Regen“.


Der Soldat Riagh hat eigentlich keinen Grund, den Nekromanten Nuzar zu retten, denn dessen Volk ist für das Grauen verantwortlich, das über seine regnerische Heimat gekommen ist: Die Scharen von Untoten, die über alles Lebende herfallen.

Der junge Krieger hat allerdings genug Grauen gesehen, dass er sich nur noch nach Hause zurücksehnt, um seine Jugendliebe Anryn wieder zu finden, deshalb versteht er sich erst einmal selbst nicht.

Aber schon bald verbindet ihn mit Nuzar eine seltsame Form von Respekt. Denn der erweist sich weniger als grausamer und gewissenloser Feuermagier und Nekromant, der nur den Tod bringen will, sondern als Retter und Helfer in der Not, der Riagh in mehr als einer Sache die Augen öffnet und auch zu wissen scheint, wie man den Fluch über die Untoten brechen könnte.

Doch ein Funke von Misstrauen bleibt und bringt die beiden mehr als einmal in Gefahr, denn nun will ihnen mehr als eine Gruppe ans Leben.


Annette Juretzki zeichnet zunächst das Bild eines düsteren und von Krieg gezeichneten Landes, in dem der Tod nicht das Ende für die Menschen ist, sondern alle mehr oder weniger nach ihrem Ableben wiedererwachen und als Zombies das Land verheeren. Daher sind Soldaten wie Riagh gezwungen, schnell zu handeln und sich nicht von diesen wieder erwachten beißen zu lassen. Das hat den jungen Mann hart und unerbittlich gemacht - aber scheinbar nicht so sehr, denn er greift ein, als eine Horde jemanden umbringen will, der noch lebt.

Der Roman schildert ab da die wechselvolle Beziehung zwischen dem jungen Krieger und dem Nekromanten, die zunächst von Hass und Misstrauen gezeichnet ist, sich aber schrittweise zu ändern beginnt.

Denn Nuzar öffnet sich Riagh erstaunlich schnell, steht auch diesem zur Seite, als der in Lebensgefahr gerät und erweist sich als kluger Verbündeter. Nach und nach entwickelt sich Respekt zwischen den beiden, dann Akzeptanz und schließlich sogar eine Art Vertrauen.

Der Feuermagier erkennt nämlich nicht nur verborgene Talente in dem Soldaten, sondern öffnet diesem auch die Augen bezüglich des Reichs, dem dieser dient.

Die ganze Zeit schwingt dabei ein leiser homoerotischer Unterton mit, aber der steht nicht im Vordergrund, könnte erst in den kommenden Bänden mehr Raum einnehmen. Noch ist das Abenteuer wichtiger als die Liebe, was auch dabei hilft, dass sich die Figuren erst einmal in Ruhe aufeinander zu entwickeln dürfen, genau den Raum bekommen, den sie brauchen, um aufeinander zuzugehen.

Die Autorin benutzt einen eher nüchternen Stil und hat auch keine Scheu, die düsteren Seiten ihres Szenarios zu beschreiben. Ihre Fantasy kommt mit recht wenig vordergründiger Magie aus und setzt ein wenig mehr auf Zombie-Horror, aber genau das sorgt für eine sehr intensive Atmosphäre, die zusätzliche Spannung schafft, die in einem Cliffhanger mündet.

„Regentänzer“, der erste Band der Saga „Von Rache und Regen“, bietet eine eher düstere und actionreiche Fantasy-Story, die nicht unbedingt immer etwas für empfindsame Leser ist. Das Abenteuer steht noch im Vordergrund, auch wenn sich im Hintergrund eine Liebesgeschichte entwickelt. Die Serie wendet sich wohl in erster Linie an Fans, die Gay-Fantasy etwas härterer Gangart und eine langsame Entwicklung der Beziehung mögen.