Marie Brennan: Die Schattenkönigin - Der Onyxpalast 1 (Buch)

Marie Brennan
Die Schattenkönigin
Der Onyxpalast 1
(Onyx-Court: Midnight never come, 2008)
Übersetzung: Andrea Blendl
Titelbild: Martin Frei
Cross Cult, 2019, Taschenbuch, 480 Seiten, 14,00 EUR, ISBN 978-3-95981-686-1 (auch als eBook erhältlich)

Rezension von Christel Scheja

Marie Brennan dürften die meisten deutschen Leser durch ihre Serie um „Lady Trents Memoiren“ kennen, Nun veröffentlicht Cross Cult mit „Der Onyxpalast“ eine weitere Saga aus ihrer Feder. Diesmal taucht sie in die magische Welt des Elisabethanische Zeitalters ein.


Elizabeth die erste ihres Namens, hat England zu großer Blüte getrieben. Unangefochten regiert die Königin auf ihrem Thron und hält die Zügel in der Hand, auch wenn ihr Palast einem Schlangennest gleicht, in dem Favoriten und Höflinge um jedes Fitzelchen von Einfluss kämpfen. Auch der bürgerliche Michael Devon hofft als Gentlemen-Pensionär und Agent in den Diensten Francis Walsinghams Karriere zu machen und sein Leben zu verbessern, aber genau das bringt ihn schon bald in einen Machtkampf anderer Art.

Denn nur wenigen ist bekannt, dass unter dem Palast Elizabeths noch ein anderes Reich existiert, in dem mächtige und unsterbliche Wesen ihre grausame Königin umgarnen und zu beeinflussen versuchen. Invidiana, die kalte und herzlose Herrscherin des Feenvolkes, will nicht weniger als die Kontrolle über die Menschenwelt und schickt ihre eigenen Agenten los, um diesen Plan in die Tat umzusetzen.

Und genau auf diese Intrigen stößt Michael Deven, nicht ahnend, dass er sich dabei mit einer Welt und Wesen einlässt, die von Menschen selbst nicht viel halten - sieht man einmal von der mysteriösen Dame ab, die ihn schon eine ganze Weile umgarnt.


Marie Brennan hat sich für diese Reihe von den atmosphärischen Geschichten und Gedichten inspirieren lassen, die die Mythen des klassischen England in eine Kunstform verwandelten und das Bild der Feenwesen bis in die viktorianische Ära prägten.

Die Feen des Onyxpalastes sind so herzlos und kalt, wie man sie aus den Stücken von Shakespeare und anderen Dichtern der Elizabethanischen Ära kennt. Dadurch wirken sie aber wie der dunkle Spiegel der höfischen Gesellschaft zur Tudor-Zeit, in der man mit ähnlich harten Bandagen um Einfluss und Rang kämpfte.

Schon bald wird aber deutlich, dass da noch sehr viel mehr dahinter steckt, die Magie einigen Figuren ein böses Schnippchen geschlagen hat und der Zauber nun nach einer Auflösung verlangt, die die Gefahr für beide Welten aufheben könnte.

Nur darauf müssen die beiden Helden erst einmal kommen, die im Gegensatz zu vielen anderen eher moralisch integer wirken und so etwas wie Mitgefühl und Moral besitzen. Alles in allem muss man als Leser ein Faible für diese höfischen Intrigen-Geschichten haben, um die Geschichte genießen zu können. Wer nach Action sucht wird nämlich eher enttäuscht.

Bei den Figuren kommt man dem sympathischen weil auch bodenständigen Michael Devon noch am nächsten, alle anderen Charaktere bauen eine gewisse Distanz zum Leser auf, so dass allein er als Sympathieträger bleibt.

Das Buch lebt durch die intensive Atmosphäre und die geschickte Vermischung von Historie und Fantasy, weniger durch überraschende Wendungen und Action. Immerhin ist das Buch in sich geschlossen und findet ein rundes Ende.

„Die Schattenkönigin“ ist der interessante Auftakt zur Serie „Der Onyxpalast“. Gerade wer Intrigen-Geschichten mit einem Hauch Magie mag, wird seinen Spaß am Buch haben - und man darf gespannt sein, ob die Fortsetzung eine Zeitsprung macht und wenn ja, wer dann noch von den aktuellen Helden dabei sein wird.