James L. Cambias: Meer der Dunkelheit (Buch)

James L. Cambias
Meer der Dunkelheit
(A Darkling Sea, 2014)
Übersetzung: Claudia Kern
Titelbild: Martin Frei
Cross Cult, 2016, Paperback mit Klappenbroschur, 420 Seiten, 18,00 EUR, ISBN 978-3-86425-857-2 (auch als eBook erhältlich)

Rezension von Christel Scheja

Der Amerikaner James L. Cambias ist ein viel beachteter und geschätzter Autor im Bereich der Fantasy und Science Fiction, der sogar schon einmal für die wichtigsten Awards nominiert war. Er verdient sein Geld aber auch durch das Design von Tabletop-Spielen. Mit „Meer der Dunkelheit“ legt Cross Cult nun seinen eigenwilligen Debütroman auch auf Deutsch vor.

 

Mit Hilfe der außerirdischen Sholen haben die Menschen den Sprung in den tiefen Weltraum geschafft, was aber auch bedeutet, dass sie sich bestimmten Regeln und Geboten aus einem Abkommen zu unterwerfen haben. Man erlaubt ihnen zwar Erkundungsreisen und Forschungen, verbietet ihnen aber, Kontakt zu den Zivilisationen aufzunehmen.

Rob Freeman gehört zum Team von Wissenschaftlern, die mit diesen Maximen schon eine ganze Weile die Zivilisation beobachten, die auf dem Planeten Ilmater unter einer kilometerdicken Eisschicht entstanden ist. Die Wesen, die in der Tiefsee leben, mögen zwar blind sein, aber sie haben eine vielfältige und interessante Kultur entwickelt. Außerdem sind ihre Sinne hellwach und sie überhaupt nicht dumm, so dass es durch den Leichtsinn des Abenteurers Henri Kerlerec schließlich zu einer Katastrophe kommt.

Der Erstkontakt mit den hochintelligenten Ilmateranern bleibt deshalb nicht aus und hat üble Folgen, denn die Sholen nehmen dies zum Anlass, einen lange schwelenden Konflikt zwischen ihnen und den Menschen wieder aufleben zu lassen…


Die Handlung von „Meer der Dunkelheit“ ist eigentlich recht simpel gestrickt und geradlinig. Auch die Figuren trumpfen nicht gerade durch Ecken und Kanten in ihren Wesenszügen auf und entsprechen mehr oder weniger den Klischees. Das erlaubt es aber dem Autor, sich genau auf das zu konzentrieren, was ihm wichtig ist, nämlich die Beschreibung einer Kultur, die ausnahmsweise wirklich einmal sehr fremd ist, und bei der er sich sehr intensiv bemüht, die Figuren und deren Zivilisation näher zu bringen und dabei glaubwürdig zu bleiben.

Gerade die Ilmateraner werden in einem eigenen Handlungsstrang vorgestellt und ausgearbeitet, dem man als Leser aufmerksam folgen sollte, auch wenn immer wieder Alltäglichkeiten darin eine Rolle spielen, denn gerade dem friedlichen und hoch entwickelten Volk kommt im Verlauf der Geschichte eine sehr wichtige Rolle zu. Mehr noch als die Menschen, die zwar als vertrautes Element wichtig bleiben aber nicht so facettenreich dargestellt werden, entwickeln sie sich weiter und sorgen für die eigentliche Spannung im Buch.

Durch den flüssigen Stil, die ausgewogene Mischung aus Handlung und Beschreibung gibt es in dem Buch keine Längen, gelegentlich schwingt sogar Humor mit, so dass man sich immer wieder angenehm berührt zurücklehnen und über das Geschehen schmunzeln kann, etwa wenn die Expeditionsteilnehmer gar nicht so betrübt über den Tod des Kollegen sind, wie sie sein sollten. Zudem fährt der Autor auch keinen Kuschelkurs, auch die Zivilisation der Ilmateraner hat ihre dunklen und grausamen Momente.

„Meer der Dunkelheit“ ist ein faszinierender Einblick in eine fremde außerirdische Kultur, der zudem in eine unterhaltsame und kurzweilige Handlung gebettet wurde - ein Fest für all die Leser, die genau danach suchen, wenn sie Science Fiction auf fernen Welten genießen wollen.