Klaus Vieweg & Olivia Vieweg: Die Philosophie in Star Trek (Buch)

Klaus Vieweg & Olivia Vieweg
Die Philosophie in Star Trek
Titelbild und Zeichnungen von Olivia Vieweg
Cross Cult, 2016, Taschenbuch, 300 Seiten, 16,00 EUR, ISBN 978-3-86425-865-7

Von Christel Scheja

Es ist ja schon seit vielen Jahren bekannt, dass keine andere Science-Fiction-Serie unsere Kultur mehr geprägt hat als „Star Trek“, bei uns bekannt als „Raumschiff Enterprise“. Schon in den 60er Jahren erregte Gene Roddenberrys Saga Aufsehen, weil sie die üblichen Klischees durchbrach und statt auf Pathos, auf Philosophie setzte, vor allem verkörpert durch den Ersten Offizier Spock. Die Essay-Sammlung „Die Philosophie in Star Trek“ geht genau diesen Inhalten genauer auf den Grund.

 

Die kurzen Essays gehen den verschiedenen Fragen nach, die immer wieder in Episoden der Serie und später auch in den Filmen thematisiert werden und durchaus auf bekannten philosophischen Aussagen und Lehrten fußen. So erörtert man etwa die Frage nach der Balance von Gut und Böse. Kann es das eine ohne das andere überhaupt geben? Und wie sieht es mit Spocks Ansicht aus, dass das Wohl vieler schwerer wiegen muss als das Einzelner?
Die Texte arbeiten die Bedeutung des Menschen im Kosmos aus und stellen auch die Frage, ob unsere Rasse immer im Zentrum allen Denkens stehen muss. Und sind die neuen Wege der Kriegsführung wirklich fairer und friedlicher?
Gleichzeitig heben sie aber auch die wagemutigen Schritte hervor, die die Serie zum Kult gemacht hat - die friedliche Zusammenarbeit von verschiedenen Völkern und Rassen ohne Vorurteile und Rassismus, so als sei es etwas ganz Normales, wenn Asiaten, Amerikaner, Europäer und Afrikaner zusammenarbeiten. Dabei wagt die Serie auch immer wieder interessante Tabu-Brüche wie den Kuss zwischen Kirk und Uhura.
Nicht zuletzt beschäftigen sich die Autoren auch mit der deutlichen Kritik der Serie, die sie gegenüber Tyrannen und totalitären Regimen gezeigt hat.


Wer sich lange Jahre mit „Star Trek“ beschäftigt hat, gerade mit den Gedanken, die sich der liberale Freidenker Gene Roddenberry zu der „perfekten“ Gesellschaft des 23. Jahrhunderts gemacht hat, der wird viele der Aussagen wiedererkennen, weil er den einen oder anderen Aspekt schon einmal in ähnlicher Form gelesen hat. Dazu kommt, „Die Philosophie in Star Trek“ ist nicht das erste Buch dieser Art, sondern reiht sich vermutlich in die lange Liste ähnlicher Titel ein, die auch im Quellenverzeichnis und der Leseliste zu finden sind. Immerhin bieten die Autoren eine kurzweilige und leicht zu erfassende Lektüre, denn wann immer sie tiefer in die Materie eintauchen und mit bereits bestehenden Philosophien vergleichen, machen sie das so, dass auch der unbeleckte Laie verstehen kann, worum es eigentlich geht.

Die Texte sind prägnant gehalten, schweifen so gut wie gar nicht ab und werden immer wieder mit Beispielen aus den Episoden der klassischen Serie belegt. Auch wenn die Aussagen größtenteils positiv gewertet werden, bricht doch dann und wann schon einmal Kritik durch, bringen die Autoren den Leser zum Nachdenken, ob die schöne und heile Welt des Gene Roddenberry wirklich so perfekt und erstrebenswert ist, weil sie vielleicht doch Schlupflöcher für diejenigen bietet, die das Wohlwollen und den Idealismus anderer ausnutzen wollen.

Das Buch ist gerade für Neueinsteiger interessant, die sich noch nicht allzu sehr mit den Aussagen der Serie beschäftigt haben. Vielleicht fangen sie dadurch auch an, die alten Folgen, die mittlerweile fünfzig Jahre auf dem Buckel haben, mit anderen Augen zu sehen.

Es lohnt sich also durchaus, einen Blick in „Die Philosophie von Star Trek“ zu werfen, gerade um die Episoden der klassischen Serie einmal mit anderen Augen als nur der Retro-Brille zu sehen. Viele der humanitären Aussagen mögen ein wenig veraltet wirken, sind aber, philosophisch betrachtet immer noch mehr als aktuell.