Sheila Masterson: The Poison Daughter - Zum Sterben schön (Buch)

Sheila Masterson
The Poison Daughter - Zum Sterben schön
(The Poison Daughter, 2026)
Übersetzung: Elina Baumbach & Julian Müller
Penguin, 2026, Hardcover, 896 Seiten, 25,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Bei einer bezaubernd schönen Frau, die Gift auf den Lippen trägt, denken Kundige sicher zuerst an Edgar Allan Poes Erzählung „Rappaccinis Tochter“. Allerdings hören die Ähnlichkeiten sehr schnell auf. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass „The Poison Daughter - Zum Sterben schön“ einen ganz anderen Weg einschlägt.


Harlow Carrenwell besitzt eine tödliche Gabe, denn jeder, den sie küsst, und der mit dem Gift auf ihren Lippen in Berührung kommt, stirbt. Ihre Eltern und auch sie nutzen das als Waffe, um missliebige und schurkische Männer aus dem Weg zu räumen. Aber dann trifft die junge Frau auf ein Opfer, das ihr Gift tatsächlich überlebt.

Das verstört sie zutiefst - und das wird noch intensiver, als sich dieser Mann ausgerechnet als Henry Havenwood entpuppt, den Mann, den sie auf Wunsch ihrer Eltern heiraten soll, um ein Bündnis zu besiegeln, das ihre Stadt vor dem Untergang retten soll. Denn die „Blutleeren“ rücken den Einheimischen immer mehr auf die Pelle.


Ein wenig düster ist die Geschichte schon, die zunächst im Selfpublishing erschien, dann aber auf TikTok viral ging, weil Sheila Masterson wohl die richtige Mischung aus Drama, Düsternis, Intrigen und leidenschaftlichen Momenten fand. Denn die körperliche Anziehung ist ein wesentliches Stil-Element in der zweiten Hälfte des Buches.

Vorher nimmt sich die Handlung aber erst einmal die Zeit, Harlow und ihre Familie vorzustellen. Die mag nach außen hin die perfekte Herrscherdynastie darstellen, hinter den Kulissen aber regieren Grausamkeit und Brutalität, die auch und vor allem die Töchter zu spüren bekommen. So könnte die Heirat für Harlow Freiheit bedeuten, auf der anderen Seite weiß sie aber auch, dass ihre jüngere Schwester büßen muss, wenn sie nicht das tut, was ihre Eltern erwarten. Zudem muss sie davon ausgehen, dass ihr Mann sie ebenfalls nicht liebt, sondern genauso mit ihr spielen wird, sind die beiden Sippen doch verfeindet.

Während der Hintergrund eher blass bleibt und auf das Nötigste reduziert ist, werden die Intrigen von beiden Seiten fein ausgearbeitet. Diese sind eng mit den Mythen und der Magie verbunden, die über allem liegen. Und das ist es auch, was die Geschichte ein wenig aus der Masse heraushebt.

Denn so sehr die Leidenschaft auch immer durchklingen darf, für die Spannung sorgt kein Liebesgeplänkel zwischen den Hauptfiguren, sondern tatsächlich eher das Netz aus fiesen und mörderischen Intrigen, das hinter den Kulissen enger zusammengezogen wird und zum Ende hin sogar eskaliert. Es wird sogar ein Abschluss gefunden, da dies erst einmal ein Einzelband zu sein scheint.

„The Poison Daughter - Zum Sterben schön“ macht keinen Hehl daraus, leidenschaftliche Dark Romantasy vom Feinsten zu sein, das nicht mit den entsprechenden Szene spart. Aber es gibt immerhin auch noch mehr als die üblichen intimen Szenen, tatsächlich bekommen auch fiese Intrigen sowie Action mehr als genug Raum und sorgen so für eine ordentliche Spannung.