Sue Lynn Tan: Never Ever After (Buch)

Sue Lynn Tan
Never Ever After
Never Ever After 1
(Never Ever After, 2025)
Übersetzung: Petra Koob-Pawis
Fischer Sauerländer, 2026, Paperback, 560 Seiten, 18,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Auch wenn der Titel eher Erinnerungen an europäische Märchen weckt, so ist „Never Ever After“ von Sue Lynn Tan doch ganz in der fernöstlichen Kultur und Mythologie beheimatet. Erneut spielt die in Malaysia geborene und heute in Hongkong lebende Autorin mit den Geschichten, mit denen sie selbst aufgewachsen ist, macht aber wieder etwas ganz Neues daraus.


Als Waisenmädchen hat Yining gelernt zu überleben. Sie ist eine Diebin, aber eine noch bessere Lügnerin geworden. Allerdings kommt sie nicht gegen ihre Stieftante an, die ihr den einzigen Besitz nimmt, der ihr gehört: einen magischen Ring. Um ihn zurückzuholen, wagt sie sich in den Palast.

Dort fällt sie dem skrupellosen Prinzen Zixin ins Auge. Der bewahrt sie zwar vor Strafen, stellt aber auch Forderungen an das ihre Freiheit liebende Mädchen, das sich immer tiefer in die Intrigen bei Hofe verstrickt. Und dann ist da noch Jin, der eigentlich der Delegation aus einem verfeindeten Reich angehört, ihr jedoch hilft. Kann sie ihm wirklich trauen?


Zu fernöstlicher Romantasy gehört dazu, dass die Leidenschaft eher an letzter Stelle steht und die Geschichte so relativ jugendfrei bleibt, damit sich die Beziehungsgeflechte besser entwickeln können. Die Charaktere sind das Salz in der Geschichte, gerade weil man sie nicht wirklich einschätzen kann. Denn jeder hat seine Geheimnisse, die immer dann ans Licht kommen, wenn es die Figuren nicht wirklich brauchen können. Und das sorgt auch immer wieder für ein paar unerwartete Wendungen, die das bisher Geglaubte auf den Prüfstand stellen.

Für die Spannung sorgen allerdings die höfischen Intrigen. Die Heldin versucht sich durch diese zu manövrieren und muss erkennen, dass sie auch noch Einiges über sich und ihre Kräfte lernen muss.

In der Hinsicht bedient die Autorin natürlich auch wieder die gängigen Klischees, denn nicht all ihre Figuren sind menschlich. Aber immerhin wird deren Magie gezielt eingesetzt.

Alles in allem entwickeln sich nicht nur die Figuren, auch die Handlung wird mit vielen Hinweisen und Andeutungen fortgeschrieben, der Hintergrund bekommt ebenfalls Farbe, weil die Lesenden die Welt mit der Heldin zusammen ergründen können. Zudem gibt es einen vorläufigen Abschluss, auch wenn viele Fragen noch nicht beantwortet wurden. Das macht immerhin neugierig auf die Fortsetzung, gerade weil die Geschichte mehr auf Intrigen und Magie setzt und weniger auf die übliche Liebesgeschichte.

„Never Ever After“ ist trotz des märchenhaften Titels abenteuerliche New Adult Fantasy vor einem fernöstlichen Hintergrund, bei dem die Heldin nicht nur in ihr Erbe hineinwachsen muss, sondern sich auch noch gegen jede Menge fieser Intrigen zu wehren hat. Liebe klingt zwar an, spielt aber erst einmal keine Rolle.