Matt Dinniman: Operation Bounce House (Buch)

Matt Dinniman
Operation Bounce House
(Operation Bounce House, 2026)
Übersetzung: Stephan Kleiner
Titelbild: Will Stachle
Tor, 2026, Paperback, 462 Seiten, 18,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Vor 200 Jahren brachen die Generationsschiffe von der Erde in die Weiten des Alls auf. Ihre Mission: der Menschheit neuen Lebensraum zu erschließen. Damals wurde nach 133 Jahren Flug auch New Sonora besiedelt - vor einigen Jahrzehnten erfolgte die Wiederanbindung an die Heimat via Transfertor, dem sogenannten Nadelöhr.

Der junge Farmer Oliver Lewis lebt hier und erwartet immer noch das einst verheißene goldene Zeitalter, das nach der Wiederanbindung an die Erde eigentlich anbrechen sollte. Stattdessen erklärt die Erdregierung die Kolonisten zu Terroristen und beauftragt den Megakonzern Apex Industries mit ihrer „Räumung“.

Apex macht daraus, nicht dumm, ein Geschäft. Wohlhabende Spieler auf der Erde dürfen eigene Kampfroboter entwerfen und diese per Fernsteuerung gegen die „Terroristen“ einsetzen. Die Invasion wird als spektakuläres Online-Spiel vermarktet – „Operation Bounce House“.

Für die Teilnehmer ist es Unterhaltung, für die Bewohner von New Sonora ein Vernichtungskrieg.

Oliver, seine Schwester Lulu, ihre Freunde und die skurrile KI Roger organisieren einen verzweifelten Widerstand. Mit umgebauten Landwirtschaftsrobotern, improvisierten Waffen und viel Einfallsreichtum kämpfen sie gegen Tausende von Mechs und gegen eine Gesellschaft, die sie nicht mehr als vollwertige Menschen betrachtet…


Matt Dinnimans „Operation Bounce House“ lebt vor allem von seiner originellen und zugleich beunruhigenden Grundidee. Man mache aus einem Vernichtungskrieg ein unterhaltsames und höchst lukratives Online Game und vermarkte dieses aggressiv.

Das wirkt auf den ersten Blick überzogen, erscheint dann aber gleichzeitig erstaunlich vorstellbar.

Mit viel Tempo, reichlich Action und immer wieder aufblitzendem schwarzen Humor erzählt uns der Verfasser der „Dungeon Crawler Carl“-Reihe einen Roman, der uns bei näherem Hinsehen schockt.

Zunächst unterschwellig, später fast schon zu offensiv, ist hier deutliche Gesellschaftskritik eingearbeitet. Manche Action-Szenen sind etwas zu ausufernd beschrieben, fesseln aber gerade jüngere Lesende durch den Bezug zum bekannten Game-Universum an das Medium Buch.

So ist dies ein manches Mal bissiger, verrückter, ja überkandidelter Roman mit einer starken Idee, die dann fast ein wenig zu plump ausgewalzt wird.