A. S. Tamaki: Das Buch der gefallenen Blätter (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Freitag, 11. September 2026 07:47

A. S. Tamaki
Das Buch der gefallenen Blätter
Herbst des Imperiums 1
(The Book of Fallen Leaves; The Autumn Empire 1, 2026)
Übersetzung: Michael Pfingstl
Titelbild: Isabelle Hirtz
Hobbit Presse, 2026, Hardcover, 624 Seiten, 26,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
In der japanischen Pop-Kultur greifen Historie und Mythen oft munter ineinander und beeinflussen sich gegenseitig. Aus diesem Hintergrund heraus erschafft der amerikanische Drehbuchautor A. S. Tamaki den Hintergrund für die Welt seines Debüt-Romans. Sie ist sehr stark von der japanischen Vergangenheit geprägt, wobei er offenlässt, welche Epoche er sich zur Vorlage nahm.
Sen Hoshikiari hat gerade einmal überlebt, als die Rebellion seines Vaters niedergeschlagen wurde, die Sieger große Teile der Familie und Gefolgsleute ermordete und den Rest der Überlebenden ins Exil schickte. Er wird zwar bei einer anderen Familie aufgenommen, ist aber dennoch entschlossen, sich eines Tages sein Geburtsrecht zurückzuholen.
Auch das Bauernmädchen Rui ist eine Überlebende des Massakers, aber sie trifft es nicht ganz so gut. Dennoch wird ihr Schicksal bald mit dem seinen verwoben, denn die Götter sehen in ihr die Auserwählte im Kampf gegen die Dämonen, die den drohenden Bürgerkrieg nutzen wollen, um Rache an allem Lebenden zu nehmen.
Ob man die Geschichte wirklich als eine Mischung aus „Shogun“ und „Game of Thrones“ bezeichnen sollte, sei dahingestellt. Sicher ist aber, dass auch in dieser Fantasywelt der Thron der kaiserlichen Familie und der etablierten Adelshäuser am Wanken ist und das dank einiger mehr an Kampf und Krieg orientierter Familien, die es satt haben von verweichlichten Höflingen gegängelt zu werden.
Sens Vater mag verloren haben, aber er träumt davon den Ruhm und die Ehre seiner Familie wieder herzustellen, während seine Schwester wirklich sehr intensiv daran arbeitet und einen Krieg entfesselt. Das gibt dem jungen Mann, der von besonderen Mönchen ausgebildet wird und dabei merkt, dass er vielleicht noch sehr viel lernen muss, um wirklich ein Krieger zu werden - vor allem eine gewisse Scheu abzulegen - etwas mehr Freiheit. Dennoch wird auch er bald in die Intrigen der Adelshäuser verwickelt und muss sich klar für eine Seite entscheiden.
Ruis Geschichte bleibt anfangs etwas bodenständiger, sucht sie doch einfach nur nach einem Platz, an den sie gehört, und die sein kann, die sie gerne wäre. Doch ihr werden genug Steine in den Weg gelegt, die sie nach und nach immer mehr mit Göttern und Geistern verbinden.
Das passt alles sehr gut in eine Welt, die stark an die japanische Kultur des Mittelalters angelehnt ist.
Der Autor erschafft eine intensive und glaubwürdige Atmosphäre, bleibt aber auch so modern, dass westliche Leser dem Geschehen problemlos folgen können. Und durch die verschiedenen Blickwinkel schafft er Nähe zu den Figuren. Vor allem Sen und Rui bleiben sehr menschlich, zeigen auch einiges an Schwächen und Unzulänglichkeiten.
Mythen und Magie sind geschickt in die Handlung eingewoben, die sich zudem sehr viel Zeit für die Intrigen nimmt und diese in epischer Breite aufbaut. Und auch wenn die Geschehnisse selbst ordentlich Fahrt aufnehmen, so gibt es doch erst einmal einen vorläufigen Abschluss, der das Buch nicht allzu offen beendet.
„Das Buch der gefallenen Blätter“ dürfte allen Lesern gefallen, die intrigenreiche Fantasy mögen, in denen sich Figuren und Handlung glaubwürdig, wenn auch langsam, entwickeln. Allerdings sollte man ein wenig offen für die Kultur und Mythen des alten Japans sein, um auch tief genug in die Atmosphäre des Buches eintauchen zu können, obwohl der Autor sich bemüht, das Ganze so verständlich wie möglich zu machen.