Brigitte Knightley: The Exquisite Torment of Loving Your Enemy - Wie man seinem Erzfeind (hoffentlich) das Leben rettet (Buch)

Brigitte Knightley
The Exquisite Torment of Loving Your Enemy - Wie man seinem Erzfeind (hoffentlich) das Leben rettet
(The Exquisite Torment of Loving Your Enemy, 2026)
Übersetzung: Anita Nirschl
Penhaligon, 2026, Hardcover, 480 Seiten, 23,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Mit „The Exquisite Torment of Loving Your Enemy - Wie man seinem Erzfeind (hoffentlich) das Leben rettet“ beendet Brigitte Knightley ihre Dilogie und liefert einen Abschluss, der in vielerlei Hinsicht stärker ausfällt als der Auftaktband. Die Autorin verbindet darin romantische Fantasy, einen Mystery-Plot und schwarzhumorige Dialoge zu einer Geschichte, die gleichermaßen unterhält und emotional fesselt. Dennoch bleibt das Buch nicht frei von Schwächen, insbesondere in der Weltgestaltung und gelegentlichen inhaltlichen Brüchen.

 

Im Zentrum der Handlung stehen erneut Osric Mordaunt und Aurienne Fairhrim. Osric gehört dem Fyren-Orden an, einer berüchtigten Gilde von Auftragsmördern, deren Moral sich vor allem am Geldbeutel ihrer Kunden orientiert. Aurienne hingegen ist eine Heilerin des Haelan-Ordens, dessen Grundsatz lautet: „Niemandem Schaden zufügen.“

Was als Zweckgemeinschaft begann - Aurienne behandelt den schwer erkrankten Osric heimlich bei jedem Vollmond - hat sich längst zu einer komplizierten emotionalen Verbindung entwickelt. Während beide gegen ihre Gefühle ankämpfen, rückt zugleich eine weit größere Bedrohung in den Vordergrund. Eine tödliche Seuche, die vor allem Kinder befällt, wurde offenbar absichtlich verbreitet. Die Nachforschungen führen zu dunklen Geheimnissen innerhalb der magischen Orden und zu einer Verschwörung, die den Frieden der Tīendoms gefährdet.

Je näher Osric und Aurienne der Wahrheit kommen, desto unschärfer werden die Grenzen zwischen Gut und Böse, Heiler und Mörder, Pflicht und Liebe. Am Ende steht nicht nur ihre Beziehung auf dem Spiel, sondern das Schicksal einer ganzen Welt…

 

Knightleys größte Stärke liegt erneut in ihren Figuren. Osric ist ein herrlich überzeichneter Dramaturg des eigenen Unglücks: eitel, sarkastisch und oft unfreiwillig komisch. Aurienne bildet dazu den perfekten Gegenpol: Kopfmensch, kontrolliert und rational. Gerade die Dynamik zwischen ihnen trägt den Roman über weite Strecken.

Besonders gelungen ist die Entwicklung der Liebesgeschichte. Während der Vorgänger den Enemies-to-Lovers-Aspekt teilweise überstrapazierte, wirkt die Romanze hier deutlich überzeugender. Die Gefühle entstehen nicht allein durch innere Monologe, sondern werden durch gemeinsame Erfahrungen und konkrete Handlungen glaubwürdig vermittelt. Dadurch gewinnt die Beziehung an Tiefe und emotionaler Wirkung.

Auch der Humor funktioniert wesentlich besser als im ersten Band. Die Dialoge sind scharfzüngig und witzig, ohne ständig auf grobe oder alberne Pointen zurückzugreifen. Gerade die Nebenfiguren sorgen immer wieder für komische Höhepunkte, die die düsteren Elemente der Handlung geschickt auflockern.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Verbindung von Magie und Wissenschaft. Die medizinischen Aspekte der Handlung wirken überraschend durchdacht. Krankheiten werden nicht einfach durch Zauberei erklärt, sondern folgen nachvollziehbaren Regeln. Diese Herangehensweise verleiht der Fantasywelt eine angenehme Eigenständigkeit.

Trotz aller Qualitäten bleibt die Weltgestaltung der größte Schwachpunkt des Romans. Zwar werden verschiedene Königreiche, politische Fraktionen und magische Orden erwähnt, doch viele dieser Elemente bleiben viel zu abstrakt. Zahlreiche Staaten spielen angeblich eine wichtige Rolle im Hintergrund, ohne dass ihre Herrscher, Kulturen oder Interessen jemals wirklich greifbar werden. Dadurch wirkt die politische Ebene der Geschichte oft wie Dekoration statt wie ein integraler Bestandteil der Handlung.

Auch das Erzähltempo schwankt gelegentlich. Die Struktur rund um die monatlichen Heilungssitzungen sorgt zwar für einen klaren Rhythmus, lässt die Handlung im Mittelteil aber stellenweise episodisch wirken. Manche Passagen wiederholen bekannte Konflikte, bevor die Geschichte Richtung Finale wieder Fahrt aufnimmt.

Hinzu kommen gelegentliche Brüche. Knightley springt mühelos von tragischen Szenen mit sterbenden Kindern zu schrägen Witzen oder romantischem Geplänkel. Oft funktioniert dieser Kontrast erstaunlich gut, manchmal wirkt er jedoch etwas zu abrupt und nimmt emotionalen Momenten ihre Wirkung.

Insofern erwartet uns ein zweiter Band, der verglichen mit dem Auftakt handwerklich deutlich besser ausfällt, der die Love Story überzeugend behandelt, allerdings auch immer wieder störende Brüche aufweist.