Rachel Caine: Schwert und Feder - Die Magische Bibliothek 5 (Buch)

Rachel Caine
Schwert und Feder
Die Magische Bibliothek 5
(The Great Library - Sword and Pen, 2019)
Übersetzung: Beate Brammertz & Stefanie Adam
Heyne, 2025, Hardcover, 510 Seiten, 18,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Mit „Schwert und Feder“ legen Rachel Caine und der Heyne Verlag den fünften und abschließenden Band ihrer Reihe um die Große Bibliothek von Alexandria vor - und liefern ein Finale, das den hohen Erwartungen gerecht wird.


Direkt an die Ereignisse des Vorgängers anschließend, steht die legendäre Bibliothek vor ihrer größten Bewährungsprobe. Der korrupte Archivar ist gestürzt, doch zahlreiche Mächte Europas warten bereits vor den Toren Alexandrias, um das Machtvakuum für ihre eigenen Zwecke zu nutzen.

 

Was die Reihe von Beginn an ausgezeichnet hat, steht auch hier im Mittelpunkt: die faszinierende Idee einer Welt, in der Wissen von einer einzigen Institution kontrolliert wird, privater Buchbesitz verboten ist und Schmuggler, Rebellen, Magier und Gelehrte um die Zukunft des geschriebenen Wortes kämpfen. Gerade in Zeiten, in denen Fragen nach Informationsfreiheit und Wissenskontrolle aktueller denn je erscheinen, entfaltet dieses Szenario eine besondere Wirkung.

Die bekannten Figuren erhalten dabei noch einmal eine vorzüglich genutzte Gelegenheit zu glänzen. Jess Brightwell, inzwischen Mitglied der Hohen Garde, muss nicht nur den Tod seines Zwillingsbruders verarbeiten, sondern auch Verantwortung für die Zukunft der Bibliothek übernehmen. Unterstützt wird er von der brillanten Khalila, dem genialen Erfinder Thomas, dem charismatischen Dario, der mächtigen Obskuristin Morgan sowie Wolfe und Santi, deren Beziehung zu den emotionalen Höhepunkten der Reihe gehört.

Caine gelingt dabei die seltene Balance zwischen Action und inhaltlicher Tiefe. Intrigen, Schlachten, politische Machtspiele und überraschende Wendungen sorgen für ein hohes Tempo, während zugleich zentrale Themen wie Wissensfreiheit, Zensur, Verantwortung und Hoffnung angesprochen werden. Besonders gelungen ist die Darstellung des ungewöhnlichen Magiesystems, das der Welt zusätzliche Faszination verleiht.

Auch erzählerisch überzeugt der Roman. Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven erzählt, wodurch die Ereignisse auf verschiedenen Schauplätzen lebendig werden. Zwar springt die Chronologie gelegentlich zurück, um parallele Geschehnisse zu beleuchten, doch ist die Orientierung problemlos möglich. Positiv fällt zudem auf, dass selbst körperliche Verletzungen und ihre Folgen realistisch behandelt werden und nicht dem sonst häufig anzutreffenden Abenteuer-Klischee geopfert werden. Und auch die Darstellung queerer Beziehungen ist mustergültig - alltäglich. Endlich einmal wird das als selbstverständlich beschrieben - kein erhobener Zeigefinger, kein Herausstellen, sondern etwas ganz Normales.

Zum Ende präsentiert uns die 2020 verstorbene Autorin Rachel Caine einen stimmigen Abschluss, der den Figuren gerecht wird und die zentralen Konflikte überzeugend auflöst. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft bleibt bestehen, ohne die Opfer und Verluste der Geschichte zu relativieren.

Mit dem Roman, den Heyne erneut im kleinoktaven Hardcover mit Rundum-Farbschnitt offeriert, findet eine der originellsten Fantasy-Reihen der vergangenen Jahre einen gelungenen Abschluss. Wer die bisherigen Bände verfolgt hat, erhält ein spannendes, emotionales und thematisch starkes Finale, das noch einmal eindrucksvoll zeigt, welche Macht Ideen, Bücher und der freie Zugang zu Wissen besitzen.