c. p. haller: Blutroter Winter (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Freitag, 07. August 2026 07:05

c. p. haller
Blutroter Winter
2026, Paperback, 158 Seiten, 11,99 EUR
Rezension von Christel Scheja
c. p. haller veröffentlichte auch schon unter dem Namen Connie Haller. In ihren Geschichten interessiert sie sich vor allem für die Verhaltensmuster von Menschen, gerade auch weil sie schon seit über einem Jahrzehnt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitet. Sie probiert sich in allen Genres aus, was man auch an „Blutroter Winter“ merkt.
Ein einsam gelegener Pub an einer wenig befahrenen Straße. Und doch Schauplatz verschiedener Dramen, die sich nach und nach miteinander verbinden und zu bitteren Konsequenzen führen.
Fünf Menschen sind darin verwickelt: Ein Junge mit einer Waffe im Hosenbund. Eine hübsche Kellnerin, die aus ihrem Leben ausbrechen will und ein älterer Mann, von seiner Ehe frustriert. Die Besitzerin des Lokals und dann auch noch der Typ, dem die Waffe gehört.
Alles beginnt mit einem Fund, einem Schuss, dem erst einmal keine Konsequenzen folgen. Denn immerhin ist der Ort so abgelegen, die Menschen so sehr mit sich beschäftigt, dass sie zwar immer wieder hierherkommen, aber nicht wirklich auf das Indiz achten.
Sie alle sind auf ihre Weise kaputt. Die Besitzerin liebt eigentlich ihren Pub, aber nicht die damit verbundene Arbeit und trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum. Der ältere Mann würde gerne aus seiner frustrierenden Ehe ausbrechen. Und der Junge hat Gewalt erfahren.
Die Geschichte ist interessant aufgebaut, zieht sich fast über ein Jahr, so dass es bemerkenswert bleibt, dass Niemandem der durchaus sichtbare Tatort eines Verbrechens auffällt.
Wirklich viel passiert nach außen hin eigentlich nicht, denn die Figuren folgen über die Zeit hin ihren alten Routinen, nur dann und wann eskaliert es - und wenn, dann heftig.
Die Autorin legt insgesamt mehr den Fokus auf die Figurenzeichnung, ihre Denkweisen und ihr Verhalten, auf die schweren Bürden, die sie mit sich herumtragen. Und das ist das wirklich spannende an der Geschichte, das dann auch bis zum Ende hin fesselt. Und das passt durchaus zur Handlung, denn die Antworten dürfen und sollen sich die Leser selbst erschließen. Das mag vielleicht ein Schwachpunkt der Geschichte sein, denn sie lässt einen so auch unbefriedigt zurück.
„Blutroter Winter“ mag nicht spektakulär wirken, auch nicht viel Action bieten, fesselt aber durch eine feine Zeichnung der Figuren und all der Probleme, Ängste und Psychosen, die sie mit sich herumschleppen. Gerade zum Ende hin erhofft man sich als Leser aber auch ein paar Antworten.