Jochen Mariss: Tage am Fluss (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 06. August 2026 16:28

Jochen Mariss
Tage am Fluss
Kiepenheuer & Witsch, 2026, Hardcover, 320 Seiten, 23,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Der 1955 geborene Jochen Mariss arbeitete viele Jahre für den Verlag Grafi Werkstatt und veröffentlichte vor allem Foto-Text-Postkarten, Gedichte, Kurzgeschichten und Kinderbücher. Nun präsentiert seinen allerersten Roman mit „Tage am Fluss“.
Die eigenbrötlerische Sara betreibt eine kleine Fähre und stellt so die Verbindung zwischen dem Dorf Erlengrund und dem Rest der Welt sicher. Ohne sie müssen die Menschen große Umwege fahren. Da sie nicht immer verlässlich sein kann, trüben die Forderungen nach einer Brücke ihr idyllisches Leben in einem abgelegenen Haus am Fluss.
Eines Tages nimmt sie sich des am Kopf verletzten Leon an - und auch wenn sie es erst gar nicht will, erlaubt sie ihm, eine Weile da zu bleiben. Nach und nach kommen sich die Beiden auf freundschaftliche Weise näher und merken sehr schnell, dass sie mehr miteinander gemeinsam haben als vermutet, vor allem die Liebe zur Natur.
Und das ist auch die tragende Kraft des Romans, denn es entwickelt sich keine leidenschaftliche Liebesgeschichte zwischen den Beiden, deren Altersunterschied doch nicht ganz ohne ist. Stattdessen lernen sie einander kennen und freunden sich so weit an, dass die Narben und Wunden des jeweils anderen ans Licht kommen, aber auch die Gedanken und Gefühle, die sie verbinden.
Dazu kommen durchaus realistische Schilderungen eines idyllischen Lebens mit allem, was dazu gehört, Konflikte, die für Spannung sorgen und gelegentlich auch für Schock-Momente, aber genau das sind die Momente, die die Geschichte auch wieder erden und realistisch machen.
Nach und nach kommt die Wahrheit ans Licht, Fäden werden gelungen miteinander verknüpft und die Handlung bekommt einen angemessenen und vor allem glaubwürdigen Abschluss.
Die angesprochenen Themen werden mit Respekt behandelt, auch wenn das Ganze nicht so sehr in die Tiefe geht.
Aber das ist wohl auch nicht ganz die Intention des Autors, der sich lieber auf die Figuren konzentriert hat und sie sehr lebendig und facettenreich gestaltete, so dass man als Leser durchweg mit ihnen fiebert, hat man sie erst einmal etwas besser kennengelernt.
„Tage am Fluss“ ist ein ruhiger, aber auch recht lebensnaher Roman, der auf eine feine Charakter-Zeichnung der Hauptfiguren setzt und neben atmosphärischen Naturbeschreibungen auch auf eine Geschichte, die durch ihre Bodenständigkeit und Spannung von Anfang bis Ende zu fesseln weiß.