Ralf Thiesen: Schatten über Königsberg (Buch)

Ralf Thiesen
Schatten über Königsberg
Ein Fall für Aaron Singer 3
Goldmann, 2026, Taschenbuch, 448 Seiten, 14,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Der 1964 geborene Ralf Thiesen interessiert sich seit über dreißig Jahren für die Geschichte des 20. Jahrhunderts, was man auch seinen Kriminal-Romanen über den jüdischen Kommissar Aaron Singer anmerkt, der in den „Roaring Twenties“ lebt und so manchen Mordfall aufzuklären hat, wie auch in „Schatten über Königsberg“.


Die Leiche eines Mannes liegt im Schilf und sein Boot wird im Haff treibend gefunden, deshalb ruft man Aaron Singer und seinen Kollegen Heinrich Puschkat an die Ostsee, wenn auch etwas abseits der Seebäder und den Villen der Reichen.

Bei dem Toten handelt es sich um einen Unternehmer. Schnell finden sie heraus, dass er sich den Zorn der örtlichen Fischergemeinschaft zugezogen hat. Aber ein weiterer Mord lässt daran zweifeln, dass diese wirklich viel damit zu tun hat. Ganz offensichtlich steckt mehr hinter den beiden Verbrechen und bei dem Versuch, den Täter zu finden, bringen sich die beiden Ermittler selbst in tödliche Gefahr.


Ralf Thiesen mag zwar nicht unbedingt auf ein bestimmtes Ereignis zurückgreifen, seine Geschichte beruht aber zumindest bei den Hintergründen auf einigen wahren Details und spielt mit einer Sache, die damals noch kein Thema war, aber heute umso ernster genommen wird.

Doch bis die Ermittler dem auf die Schliche kommen, machen sie sich natürlich erst einmal mit den gewohnten Mitteln, an die Arbeit die im Jahre 1924 noch nicht besonders ausgereift waren und natürlich sehr viel Spielraum für wilde Spekulationen boten.

So gibt es natürlich erst einmal jede Menge Verdächtige, die nach und nach aussortiert werden, und man sucht sich neue, andere Erkenntnisse, die durch die Obduktion ans Licht kommen.

Das Ganze wird durch lebendige Schilderungen des Lebensalltags in den „Roaring Twenties“ und der jüdischen Community in Königsberg aufgepeppt, so dass eine intensive Atmosphäre entsteht. Oft genug sind das auch nur Details, die aber aufhorchen lassen und die Stimmung umso besser abrunden.

Die Geschichte besitzt eine solide Spannung und eine saubere Auflösung, die auch in die Zeit passt, interessante Figuren und das passende Ambiente. Es gibt vielleicht keine allzu großen Überraschungen, aber auch keine Längen. Immerhin kann man auch so in die Geschehnisse eintauchen und muss die vorhergehenden Bände nicht kennen, weil das Nötige erklärt wird.

So ist „Schatten über Königsberg“ eine kurzweilige Lektüre für alle Fans, die leichte und ansprechende Krimis aus dem Deutschland der 1920er Jahre mit interessanten Ermittlern, kniffligen Fällen und zuletzt auch glaubwürdigen Ambiente zu schätzen wissen.