Kicki Sehlstedt: Mittsommergrab (Buch)

Kicki Sehlstedt
Mittsommergrab
Julia Järvskog 1
(Havsoffer, 2025)
Übersetzung: Ulrike Brauns
Goldmann, 2026, Taschenbuch, 544 Seiten, 14,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Kicki Sehlstedt hat bereits Erfahrung im Schreiben spannender Geschichten gesammelt, da sie auch schon als Journalistin, Kriminologin und TV-Produzentin arbeitete. „Mittsommergrab“ ist der erste Band ihrer neuen Reihe um die Journalistin Julia Järvskog.


Vor der schwedischen Westküste finden zwei Hobbytaucher einen Koffer mit schaurigem Inhalt. Doch wem gehören die Leichenteile und Knochen und wie lange liegt der Tote schon im Meer? Das ist schnell ermittelt und so führt die Geschichte die Kriminal-Journalistin Julia genau an den Ort zurück, an dem sie vor dreißig Jahren lebte.

Zum Zeitpunkt des Mordes war sie eine Jugendliche, die den Sommer bei ihren Großeltern verbrachte und dort auch eng mit Kalle befreundet war, der heute bei der örtlichen Polizei arbeitet und in der Sache ermittelt. Dabei kommen erschreckende Geheimnisse aus dem Sommer 1994 ans Licht.


Die Autorin liefert eigentlich das, was man von einem Schweden-Krimi erwarten kann. Denn die Heldin ist auch nicht perfekt und hat persönlichen Ärger am Hals, was die Ermittlungen zu einer angenehmen Abwechslung macht und sie ganz gut beschäftigt, zumal das Ganze auch eine persönliche Dimension bekommt. An ihrer Seite ist Kalle, ein recht bodenständiger Kommissar, der ebenfalls persönlich involviert ist, sogar mehr als er anfangs ahnt.

Daher gibt es auch immer wieder Rückblenden in das Jahr 1994 und den damaligen Sommer, der vor allem durch das Verschwinden des Vaters eines Freundes überschattet wurde. Beide Handlungsstränge laufen auch nach und nach zusammen.

Die Ermittlungen gehen natürlich erst einmal in alle Richtung, auch wenn es ganz klar ein paar Verdächtige gibt. Dazu kommt aber auch jede Menge persönliches Geplänkel, was die familiäre Atmosphäre der Handlung vertieft.

Die Spannung bleibt auf einem soliden, wenn auch nicht hohen Niveau, denn es passiert nicht wirklich etwas Spektakuläres, auch die überraschenden Wendungen halten sich in Grenzen. Die wichtigen Figuren sind angenehm ausgearbeitet und wirken erstaunlich menschlich, genauso wie das Drama, das mit dem Mord verbunden ist. Allerdings wirkt alles auch einen Hauch unterkühlt.

„Mitsommergrab“ ist ein grundsolider, kurzweiliger Schweden-Krimi, der alle Erwartungen erfüllt, aber nicht viel mehr. Wer Familien-Dramen und geerdete Ermittler mag, der wird auf jeden Fall seinen Spaß haben, man sollte aber keine allzu großen Überraschungen erwarten.