Cameron Sullivan: The Red Winter - Macht ist eine hungrige Bestie (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Samstag, 02. Mai 2026 09:11

Cameron Sullivan
The Red Winter - Macht ist eine hungrige Bestie
(The Red Winter. 2026)
Übersetzung: Jochen Schwarzer
Titelbild: Christina Mrozik
Tor, 2026, Hardcover, 572 Seiten, 26,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
Dark Fantasy kommt in vielen Facetten daher, mal mehr dem Horror zugeneigt, dann wieder an die Schauer-Romantik angelehnt. In der modernen Zeit gibt es auch bunte Mischungen, wie der Roman von Cameron Sullivan beweist, denn „The Red Winter - Macht ist eine hungrige Bestie“ ist mehr als nur eine weitere Variation des Werwolf-Themas.
Sebastian Grave ist ein Mann vieler Talente, aber er hütet auch jede Menge Geheimnisse. Dazu gehört, dass er als Monsterjäger selbst einen Dämon in sich trägt und länger als jeder andere Sterbliche auf dieser Erde wandelt. In der zweiten Hälfte des 18 Jahrhunderts wird er jedenfalls in die abgelegene französische Provinz Gévaudan gerufen.
Dort macht seit geraumer Zeit eine unheimliche Bestie die Gegend unsicher, tötet das Vieh aber auch Menschen. Zusammen mit einem jungen Adligen und seinem unsichtbaren Weggefährten, dem Dämon Sarmodel, macht er sich auf den Weg und findet schon bald heraus, dass dort nicht nur eine Bestie lauert.
Bereits einige Filme und Romane haben sich der seltsamen Geschehnisse angenommen, die nur wenige Jahre vor der Französischen Revolution Frankreich erschüttert hat und bis heute Rätsel aufgibt, denn es ist immer noch nicht wirklich klar, ob dort nur ein Wolf sein Unwesen trieb. Denn die Gegend mit ihren undurchdringlichen Wäldern ist ein wunderbarer Hintergrund für alle möglichen Mythen, die sich die Menschen dort vielleicht auch erzählt haben und nun munter ausgeschmückt werden. Und wie könnte es anders sein, dass Lykanthropie plötzlich mitspielt, ebenso wie eine besondere Form des Vampirismus.
Sebastian Grave ist der Ich-Erzähler der Geschichte, einige wenige Texteinschübe stammen von seiner Haushälterin, die auch nicht ganz von dieser Welt ist. Der meist als Professor auftretende Gelehrte kommt erstaunlich zynisch daher, was auch an seinem langen Leben und seinen Erfahrungen mit der Menschheit liegen mag, wie die Leser in einige Einschüben erfahren dürfen, die in der Mitte des 15. Jahrhunderts spielen.
Garniert wird das Ganze mit ein wenig queerer Liebe und Leidenschaft, die zwar gelegentlich Triebfeder ist, aber die Geschichte nicht dominiert. Allerdings sollten Leser einiges an Geduld mitbringen, denn gerade am Anfang zieht sich die Handlung deutlich, nimmt die Reise doch einen sehr großen Raum ein, ebenso wie die anderen Zeitebenen, die sich erst zum Ende hin erklären.
Leider verfällt der Autor am Ende auch ein wenig zu sehr in Klischees, die dem Geschehen zusätzlich die Wucht nehmen. Gute Ansätze und nette Ideen sind durchweg vorhanden, der Ausführung hätte aber eine Straffung des Buchs gutgetan. Leider bleiben auch die anderen Charaktere oberflächlich, da sich Sebastian Grave zu sehr auf seine Befindlichkeiten konzentriert.
Was bleibt ist ein zwiespältiger Eindruck. „The Red Winter - Macht ist eine hungrige Bestie“ hat interessante Ansätze und ist gefällig geschrieben, zieht sich aber leider anfangs zu sehr und löst sich am Ende allzu sehr in Wohlgefallen auf, so dass der Leseeindruck nicht ganz rund wirkt.