S. L. Crest: Phönixkrone (Buch)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Sonntag, 05. April 2026 08:40

S. L. Crest
Phönixkrone
Krone des Phönix 1
Piper, 2026, Paperback, 448 Seiten, 17,00 EUR
Rezension von Christel Scheja
S. L. Crest verrät nicht viel über sich selbst, dafür durchbricht ihr erster Roman für Piper aber einige Konventionen, die Leser normalerweise mit Romantasy in Verbindung bringen, allein schon die Tatsache, dass die Geschichte in der dritten Form geschrieben wurde. „Phönixkrone“ ist übrigens der erste Band einer Dilogie.
Nicht das Blut, sondern eine Reihe von Prüfungen, der Aufstieg in ein Gebirge und die Zähmung eines Phönix bestimmen, wer das Reich in der kommenden Zeit führen wird. Doch bei diesem „Prinzenkampf“ ist etwas anders als sonst.
Denn unter den Bewerbern ist auch Alyssa, eine junge Heilerin aus dem Volk. Natürlich begegnen ihr die anderen, zumeist adligen, Teilnehmer mit Misstrauen und Abscheu, nur einer bietet ihr ein Bündnis an. Doch kann sie Lord Nardul Elfhain wirklich trauen?
Auf den ersten Blick hat die Geschichte eine Menge von den Elementen, die derzeit in der Romantasy gerne genutzt werden; da ist ein Wettkampf, in dem die Heldin besonders auffällt, ein geheimnisvoller Mitbewerber, der freundlicher als der Rest zu sein scheint und ein bedeutsamer Preis, der gewonnen werden will. Aber das war es auch schon. Denn schon auf den ersten Seiten wird klar, dass die Handlung ganz andere Schwerpunkte hat. Die Autorin konzentriert sich mehr auf das Abenteuer, die Prüfungen, die die Bewerber auf Herz und Nieren testen sollen, ob sie wirklich gut für das Reich wären.
Und das ist nicht ganz ohne, wie die Hauptfiguren schnell merken, werden sie doch immer wieder an ihre Grenzen gebracht. Das nutzt die Autorin aber auch, um ihre Figuren und das direkte Umfeld auszubauen und mehr über deren Denkweise und Motive zu verraten. Dabei erhalten nicht nur die vielschichtigen Charaktere Profil, sondern auch einige der wichtigen Nebenfiguren.
Gefühle spielen eine Rolle, aber nicht die, die viele Leser erwarten dürften. Denn Alyssa und Nardul haben Ängste und dunkle Geheimnisse, lernen einander erst einmal zu vertrauen und eine Freundschaft aufzubauen. Leidenschaft bleibt völlig außen vor.
Das Einzige, was man der Geschichte vielleicht vorwerfen, könnte ist, dass der Hintergrund und die Kultur des Reichs nicht sonderlich ausgebaut werden und damit etwas schwammig bleiben und auch die Magie eher zurückhaltend eingesetzt wird. Das macht die Geschichte aber durch interessante Charakter-Entwicklungen, herausfordernde Prüfungen und einen absolut bösen Twist am Ende wieder wett.
Und das macht die Geschichte auch für all diejenigen Fantasy-Fans interessant, die eine spannende Handlung mit vielen Abenteuern und vor allem facettenreichen und immer wieder überraschenden Figuren - und damit sind nicht nur Alyssa und Nardul gemeint - zu schätzen wissen. Denn tatsächlich durchbricht die Autorin auch hier immer wieder gängige Klischees.
„Phönixkrone“ ist nicht nur der erste Teil eines spannenden Fantasy-Zweiteilers, sondern auch ein Buch, dem mehr Leser Aufmerksamkeit schenken sollten, denn S. L. Crest zeigt in ihrer Geschichte, dass Romantasy mit starken Heldinnen auch ganz anders aussehen kann, wenn man nur bereit ist, bewusst mit den Konventionen des Genres zu brechen und dadurch jede Menge Abwechslung zu bieten.