Das Schwarze Auge: Das Geheimnis des Forschers, Katja Angenent (Bild)
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- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Sonntag, 29. März 2026 12:20

Das Schwarze Auge
Das Geheimnis des Forschers
Katja Angenent
Titelbild: Kristin Heldrung
Rocket Books, 2025, Paperback, 288 Seiten, 16,95 EUR
Rezension von Christel Scheja
Es gibt sie noch, die kleinen Geschichten, durch die eine Welt zum Leben erwachen darf, ohne dass gleich weltbewegende Dinge geschehen - etwas, was auch das Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ in seiner Frühzeit oft genug bewiesen hat. Romane wie „Das Geheimnis des Forschers“ von Katja Angenent leben das noch heute stimmungsvoll aus.
Im verschlafenen Nibquell hat sich vor Jahren die hübsche Hexe Larja niedergelassen, sich ein ruhiges Leben aufgebaut und sogar Freundschaft mit einigen Dorfbewohnern geschlossen. Allerdings ist das Leben nicht immer einfach: Das Dorf wird nicht nur von Dürren gebeutelt, sondern auch von gierigen Adligen und einer Räuberbande heimgesucht.
Als ein Mord geschieht, ist der Schuldige schnell gefunden. Doch hat der gutmütige Bauer Arne wirklich einen Fremden erstochen und gehört womöglich auch noch zu den Räubern? Larja will das nicht glauben und macht sich daran, die Wahrheit herauszufinden.
Doch wie man sich denken kann, muss sie selbst aufpassen, dass sie sich nicht verrät. Deshalb braucht sie Verbündete. Doch wer könnte das werden? Der Mann, der sich entschieden hat, im Wald zu leben, oder vielleicht der verarmte Adlige, der in einer Burgruine untergekommen ist? Oder gar andere Zugezogene, die sie mit ins Boot holen könnte?
Die Autorin nimmt sich viel Zeit, das Setting aufzubauen und ein Dorf vorzustellen, wie man es wirklich im Grenzgebiet zwischen Nostria und Andergast finden könnte, garniert mit einem Ambiente, das an das ausgehende Mittelalter erinnert, aber dennoch Aventurien in kleinen Details widerspiegelt.
Das Leid der einfachen Menschen kommt ebenso zum Tragen wie die Urteile und Entscheidungen, die ihr Schulze fällt, weil er sich nicht aus seinem bequemen Leben herausreißen lassen möchte. Die Ermittlungen bleiben daher bodenständig und bedürfen nicht überbordender Magie oder fremder Wesen, stattdessen setzt die Geschichte mehr auf die Geheimnisse der Figuren und deren Entwicklung.
Die Ermittlungen sind spannend beschrieben, es gibt wie in jedem Krimi erst einmal sehr unterschiedliche Verdächtige, aber natürlich auch immer wieder überraschende Wendungen, die alles Geglaubte auf den Kopf stellen, bis endlich die Wahrheit ans Licht kommt.
Geschrieben ist das Buch lebendig und kurzweilig, es lebt im Kleinen und hält Lesende von Anfang bis Ende bei der Stange. Die Figuren sind facettenreich und glaubwürdig, so dass tatsächlich ein kleiner Film im Kopf ablaufen darf. Zudem ist das Buch auch ohne Kenntnis Aventuriens zu verstehen, die paar besonderen Begriffe werden im Anhang und Nachwort erklärt.
„Das Geheimnis des Forschers“ ist ein Fantasy-Krimi mit viel Ambiente, das Elemente aus der Rollenspielwelt Aventurien mit einer interessanten und abwechslungsreichen Handlung verbindet, die auch für Nichtkenner von „Das Schwarze Auge“ verständlich ist, Fans aber dennoch zufriedenstellt und beweist, dass Abenteuer auch bodenständig sein darf um zu unterhalten.