Sara Hashem: The Jasad Crown (Buch)

Sara Hashem
The Jasad Crown
The Jasad Heir 2
(The Jasad Crown, 2025)
Übersetzung: Michaela Link
Piper, 2026, Hardcover, 702 Seiten, 28,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

In Sara Hashems Duologie um das Reich Jasad, erreicht der Konflikt zwischen Tradition, Macht, Pflicht und moralischer Verantwortung in vorliegendem Band seinen konsequenten Abschluss.

Der zweite Band setzt unmittelbar dort an, wo der erste Band die Figuren in Cliffhangern zurückgelassen hat.

 

Sylvia wird von den Urabi-Rebellen in einer abgelegenen Berghütte festgehalten. Die Gruppe sieht in ihr die letzte Hoffnung, ihrem untergegangenen Volk seine frühere Größe zurückzugeben. Doch Sylvia hat ihr Erbe lange verleugnet und sich ausgerechnet mit dem größten Feind Jasads verbündet. Während sie versucht, das Vertrauen der Rebellen zu gewinnen, droht ihre eigene Magie ebenso außer Kontrolle zu geraten wie ihr ohnehin angeschlagenes Selbstverständnis.

Parallel dazu steht Arin im rivalisierenden Königreich zwischen allen Fronten. Der Sohn des Herrschers, der die aufkeimende Rebellion mit aller Härte niederschlagen soll, wird von religiösen Geboten gebunden, die seinem Handeln enge Grenzen setzen. Mehr noch, seine Suche nach Sylvia entwickelt sich zu einer militärischen Mission. Sie zwingt ihn, die Geschichte seiner Familie, die Zerstörung Jasads und die ideologischen Grundlagen seines eigenen Landes zu eruieren, die Rolle seiner Dynastie zu hinterfragen und sich selbst zu positionieren. Der drohende, scheinbar unaufhaltsame Krieg, setzt ihn zusätzliche unter Druck.

Die Urabi planen den Wiederaufbau der Festung von Jasad - ein Vorhaben, das entweder Sylvia das Leben kosten oder die Welt, wie sie sie kennt, unwiderruflich verändern könnte. Zum ersten Mal geht es ihr nicht nur ums Überleben, sondern ums Gewinnen - wenn es da nur nicht diesen Prinzen geben würde…


Piper legt uns den abschließenden Band des Zweiteilers vor. Erneut macht das orientalisch-ägyptisch anmutende Cover auf den Inhalt neugierig, zumal das Buch mit Lesebändchen ausgestattet wurde.

Rückblickend erweist sich die Duologie als bemerkenswert geschlossenes Leseerlebnis, das seine Stärken weniger aus spektakulären Wendungen als aus konsequenter Figuren-Entwicklung bezieht.

Besonders hervorzuheben ist die Art, wie Hashem mit einem der derzeit meiststrapazierten Motive der romantischen Phantastik umgeht, die „Enemies to Lovers“-Konstellation. Während dieses Muster im Romantasy-Genre häufig zur bloßen dramaturgischen Abkürzung verkommt, dient es hier als Ausgangspunkt für eine sorgfältig entwickelte Beziehung, die bereits im ersten Band als klassischer Slow Burn angelegt ist. Vorurteile werden nicht abrupt abgelegt, Vertrauen entsteht nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch wiederholte Entscheidungen gegen die eigenen Überzeugungen. Die Enthüllungen, die am Ende des ersten Buches sämtliche Lügen zwischen den Figuren offenlegen, wirken deshalb nicht wie ein künstlicher Schock-Effekt, sondern wie die logische Konsequenz einer lange vorbereiteten Entwicklung.

Bemerkenswert ist vor allem, wie die Fortsetzung mit diesen Enthüllungen umgeht. Hashem verzichtet auf die im Genre verbreitete Versuchung, die mühsam aufgebaute Beziehung durch übersteigerte Missverständnisse oder melodramatische Selbstzweifel künstlich zu zerstören. Sylvia und Arin bleiben auch im Konflikt erkennbare Persönlichkeiten mit eigener Urteilskraft. Ihre Differenzen entstehen aus Überzeugungen, Loyalitäten und Erfahrungen - nicht aus der Notwendigkeit, romantische Spannung um jeden Preis aufrechtzuerhalten. Gerade Arins Entwicklung folgt einer inneren Logik, die aus seinem strategischen Denken und seinem Bedürfnis nach Verständnis erwächst. Sein Umdenken in Bezug auf die Geschichte seiner Nation hat weit weniger mit seinen Gefühlen für Sylvia zu tun als mit seinem eigenen Charakter. Diese Unabhängigkeit der Figuren voneinander verleiht der Liebesgeschichte eine Glaubwürdigkeit, die im Genre selten geworden ist.

Ähnlich differenziert behandelt der Roman auch seine politischen Konflikte. Sylvia wird nicht zur idealen Anführerin stilisiert, sondern bleibt eine Figur, die an ihren Aufgaben sichtbar wächst, ohne ihre Unsicherheiten abzulegen. Ebensowenig erscheint die Rebellion als moralisch makellose Gegenkraft. Die Gruppe der vertriebenen Jasadis besteht aus Menschen mit widersprüchlichen Interessen, persönlichen Verletzungen und durchaus eigennützigen Motiven. Das Buch gewinnt gerade dadurch an Tiefe, dass es die Versuchung vermeidet, komplexe Machtverhältnisse in einfache Gut-gegen-Böse-Strukturen zu überführen.

Hashem verbindet in ihrem World-Building politische Intrige, religiöse Ordnungssysteme und ein komplexes Magiekonzept zu einem Setting, das gleichermaßen episch und glaubwürdig wirkt. Macht erscheint hier nie abstrakt, sondern immer als etwas, das persönliche Opfer fordert und moralische Entscheidungen erzwingt. Gerade darin liegt die eigentliche Spannung der Duologie - nicht etwa im Ausgang des Krieges, sondern in der Frage, wie dieser unsere Protagonisten verändert.

So erweist sich der Roman denn als konsequente Zuspitzung der Themen, die die Reihe von Beginn an geprägt haben - Loyalität, Verantwortung und die Schwierigkeit, in einer Welt voller historischer Schuld die richtige Entscheidung zu treffen. Dass Hashem dabei weder ihre Figuren idealisiert noch ihre Konflikte vereinfacht, macht den Zweiteiler zu einem der überzeugenderen Beiträge zur gegenwärtigen Romantasy.