Theresa Bell: Sepia und der Fluch des Tintendrachen (Buch)

Theresa Bell
Sepia und der Fluch des Tintendrachen
Titelbild und Innenillustrationen: Leonie Daub
Thienemann, 2026, Hardcover, 414 Seiten, 17,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Willkommen zurück in Flohall - jener Stadt, in der Schneider, Künstler und nicht zuletzt Buchliebhaber und Buchdrucker leben und wirken. Schon zweimal mussten drei Lehrlinge ihre Heimat vor düsteren Mächten retten. Nun jedoch scheint die Lage ernster denn je! Ein unheimlicher Nebel breitet sich in den Gassen aus, verschlingt Häuser, lässt Bücher und Tintenwesen zu Staub zerfallen und bedroht schließlich auch die Menschen.

Schnell wird klar, dass die Ursache nicht aus dieser Welt stammt. Um Flohall zu retten, müssen die drei Lehrlinge erneut aufbrechen, die legendäre Drachenschuppe des Tintendrachen finden und das Rätsel um eine Pforte in eine fremde Welt lösen. Dort warten Vogelmenschen, Dämonen und zahlreiche weitere Gefahren - und nicht jede Herausforderung wirkt dabei wirklich neu…

 

Mit dem dritten Band liegt nun der Abschluss der Trilogie vor. Die ersten beiden Teile waren ein Überraschungserfolg. Eine junge Autorin verband eine Liebeserklärung an das gedruckte Buch mit klassischer Abenteuer-Fantasy für ein junges Publikum.

Auch im Finale bleibt sie dieser Mischung treu, setzt erneut auf Tempo, klare Konflikte und deutliche Botschaften. Dabei zeigt sich allerdings, dass die Reihe ihren eigenen Erwartungen inzwischen ein wenig hinterherläuft. Vieles wirkt vertraut, Manches fast formelhaft und nicht jede Wendung erreicht die erzählerische Kraft der früheren Bände.

Dennoch haben sich die Figuren weiterentwickelt, und die Autorin nutzt den Abschluss, um Themen anzusprechen, die über das reine Abenteuer hinausgehen. Es geht um Verantwortung, um Vorurteile gegenüber dem Fremden, um Gleichberechtigung und um die Schwierigkeit, loszulassen. Besonders gelungen ist dabei der Blick auf das Erwachsenwerden. Die Lehrlinge müssen Entscheidungen treffen, während ihre Meister lernen müssen, Kontrolle abzugeben. Diese Motive sind überzeugend in die Handlung eingebunden, auch weil sie gelegentlich deutlich ausgesprochen werden.

Stilistisch bleibt der Roman angenehm flüssig lesbar, ohne große sprachliche Experimente zu wagen. Das sorgt für Tempo, lässt die Geschichte aber stellenweise auch glatter wirken, als ihr guttut.

Sehr gelungen ist dagegen die äußere Gestaltung des Bandes: Lesebändchen, Vignetten zu Beginn der Kapitel und ein stimmungsvolles Titelbild zeigen, dass der Verlag der Reihe große Aufmerksamkeit schenkt.

Trotz kleiner Längen und einiger vorhersehbarer Entwicklungen funktioniert der Abschluss insgesamt gut. Die Geschichte bleibt spannend, das Finale trägt, und die Trilogie findet zu einem runden Ende. Vor allem jüngere Leserinnen und Leser werden den Weg durch Flohall noch einmal gern antreten - und auch Erwachsene, die die Reihe von Anfang an begleitet haben, dürften neugierig genug sein, um ihre Helden ein letztes Mal in fremde Welten zu begleiten.