Matt Diniman: Dungeon Crawler Carl (Buch)

Matt Diniman
Dungeon Crawler Carl
(Dungeon Crawler Carl, 2024)
Übersetzung: Ruggero Léo
Tor, 2026, Paperback, 510 Seiten, 18,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

LitRPG nennt man eine neue Spielart phantastischer Romane, die mit Leidenschaft Elemente aus Computergames wie auch Pen-und-Paper-Rollenspielen aufgreifen und in Romanform auf die Schippe nehmen. Matt Dinniman hat dies in seiner im Original acht Bände umfassenden Saga aufgegriffen und bietet in „Dungeon Crawler Carl“ den augenzwinkernden Blick auf eine Queste, in der es um Leben und Tot geht.


Eben noch wollte Carl die Katze seiner Ex-Freundin wieder einfangen und rennt des Nachts in Lederjacke und Boxershorts durch die Straßen. Nun ist alles anders. Denn mit einem Paukenschlag übernehmen Aliens die Erde und erklären den Überlebenden, dass sie ihre Welt nur dann retten können, wenn sie alle Ebenen eines Dungeons durchlaufen.

Carl macht das Beste aus der Situation und stellt sich der Herausforderung. Mit Prinzessin Donut, der preisgekrönten Katze an seiner Seite, stellt er sich den Monstern und Fallen. Er muss aber auch mächtige Waffen finden und weitere Verbündete, denn seine Gegner sind mehr als tückisch, vor allem, wenn sie Menschen sind.


Verglichen wird die Geschichte gerne mit einer kruden Mischung aus „Running Man“, „Die Tribute von Panem“ und „Per Anhalter durch die Galaxis“. Eifrige Manga- und Webtoon-Leser werden aber schmunzeln, sind doch viele fernöstliche Comics nach dem gleichen Schema aufgebaut. Denn anders als in der klassischen Fantasy befinden sich die Helden in einem Szenario, das dem vieler Computerspiele seit der Jump-and-Run-Ära gleicht. Ihnen werden grundlegende Zahlenwerte zu Intelligenz, Stärke und Co. zugeordnet. Sie erlangen neue Fähigkeiten oder gar Magie, plündern Schätze und Leichen, um die Schätze ihrem Inventar zuzufügen.

Matt Dinniman zelebriert den ganzen Zauber mit einer Leidenschaft, die auch denen Spaß macht, die vielleicht nicht so viel mit klassischer Fantasy am Hut haben. Er nimmt die Mechanismen der Computerspiele gründlich auf die Schippe und amüsiert mit schrägen Momenten. Denn auch die Monster und Fallen, die Endgegner und selbst die anderen Menschen, denen Donut und er begegnen, sind Originale für sich.

Die Geschichte ist flott geschrieben, weiß immer wieder, den Leser zum Schmunzeln oder gar Lachen zu bringen und nimmt auch das Showbusiness, das solche Wettbewerbe hochstilisiert, gehörig auf die Schippe.

Die Handlung ist durchaus spannend, denn es gibt immer wieder neue Entwicklungen und Überraschungen, die neue Wendungen mit sich bringen. Und auch wenn das Geschehen nicht allzu sehr in die Tiefe geht, so bietet es doch angenehmes Lesevergnügen. Die Handlung ist immerhin locker abgeschlossen, auch wenn natürlich genug Fragen für eine Fortsetzung offenbleiben.

„Dungeon Crawler Carl“ ist der Auftakt zu einer abgedrehten und witzigen Parodie, die in erster Linie Spiel-Mechanismen von Games auf die Schippe nimmt, aber auch die Fantasy im Allgemeinen nicht ungeschoren lässt. Die Geschichte weiß die Lachmuskeln in Arbeit zu bringen und lässt sich schnell weg lesen, zudem macht schon das erste Buch Lust auf Mehr, obwohl es in sich geschlossen ist.