Anne Bishop: Bluttochter - Die Schwarzen Juwelen 1 (Buch)

Anne Bishop
Bluttochter
Die Schwarzen Juwelen 1
(Daughter of the Blood - Black Juwels Trilogy 1, 1998)
Übersetzung: Ute Brammertz
Heyne, 2026, Paperback, 576 Seiten, 18,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

Anne Bishop und ihre Saga um die Schwarzen Juwelen ist in Deutschland keine Unbekannte, denn bereits 2005 erschien der hier vorliegende Roman unter dem Titel „Dunkelheit“ schon einmal bei Heyne. Nun kommen die Leser mit „Bluttochter“ noch einmal in den Genuss des ersten Bandes der Trilogie, präsentiert in einer edlen und modernen Aufmachung.

 

Einige Jahrhunderte zuvor sah eine mächtige Hexe voraus, dass eines Tages eine junge Frau geboren würde, deren Macht unvergleichlich und allen anderen überlegen wäre. Nun scheint der Zeitpunkt gekommen zu sein. Prinz Saetan erkennt in Jaenelle eine vielversprechende Kandidatin.

Allerdings ist sie noch ein schwaches und ängstliches Mädchen, das sich gar nicht bewusst ist, was es in sich trägt. Und so wird sie zum Spielball der Leute, die sie kontrollieren wollen und damit das Blut aller magischen Männer und Frauen selbst.

Natürlich kommt auch bald schon ein Mann ins Spiel, der das Schicksal Jaenelles auch noch in anderer Hinsicht beeinflussen wird. Daemon Saedi ist ein Kriegerprinz, wie er im Buche steht -mächtig und unüberwindlich. Aber als er ihr das erste Mal begegnet, erkennt er sein Schicksal und verliert sein Herz an das Mädchen.


Damals wurde die Geschichte noch der Dark Fantasy zugeordnet, heute ist eigentlich viel klarer, dass der Leser ein Werk der Dark Romantasy vor sich hat, mit allem, was dazu gehört. Denn natürlich sind die Interaktionen der in diesem Band zahlreich eingeführten Figuren sehr von Sexualität geprägt.

Die magische Macht wird nicht nur von den namensgebenden Juwelen in unterschiedlichen Farben, sondern auch von Leidenschaft und Lust geprägt, beziehungsweise gesteigert. Und so ist das Ganze auch immer wieder ein Ringen der Geschlechter um die Oberhand. Dabei ergeht es aber Männer wie Frauen schlecht, wenn sie in die unterlegene Position geraten. Und dabei nimmt die Autorin auch kein Blatt vor den Mund.

Allerdings bricht Anne Bishop auch nicht allzu sehr aus bestimmten Klischees aus. Was den Fantasy-Anteil angeht, so bietet sie gerade, was die Magie und die Gesellschaftsstruktur angeht, ein wenig mehr Input als viele andere Romantasy-Bücher; allerdings bleiben die Welten und der Hintergrund kulturell eher schwammig.

Alles in allem ist es sicherlich keine schlechte Idee, die Reihe nach zwanzig Jahren noch einmal auf den Markt zu bringen, denn sie bedient genau den Geschmack der Leserschaft, die nach leidenschaftlich-dunkler Erotik sucht. Allerdings bleiben Genre-Fans nach wie vor auf der Strecke, wenn sie sich mehr erhoffen als Intrigen, intime Szenen und manchmal auch sadistische Freude an der Grausamkeit. Auch wenn einige Figuren doch ganz nett daherkommen, so haftet ihnen doch auch ein Hauch der Ruchlosigkeit an. Die Charakterisierung der Helden ist solide, bleibt allerdings noch recht oberflächlich.

„Bluttochter“, der erste Band der neu aufgelegten Reihe um „Die Schwarzen Juwelen“ ist ein frühes Beispiel für Dark Romantasy, erschienen lange bevor das Genre überhaupt erst aus der Taufe gehoben wurde. Dunkle Leidenschaft und Intrigen werden großgeschrieben, aber immerhin macht sich die Autorin einige Gedanken um die Gesellschaft und Kultur der Welten, wenngleich auch keine tiefgründigeren.