Kali Wallace: Dead Space (Buch)
- Details
- Kategorie: Rezensionen
- Veröffentlicht: Donnerstag, 15. Januar 2026 11:57

Kali Wallace
Dead Space
(Dead Space, 2021)
Übersetzung: Bernhard Kempen
Heyne, 2026, Paperback, 382 Seiten, 16,00 EUR
Rezension von Carsten Kuhr
Alles begann damit, dass eine wissenschaftliche Expedition zum Titan von Terroristen sabotiert wurde. Die allermeisten Wissenschaftler und alle Terroristen kamen dabei ums Leben, die wenigen Überlebenden benötigten teure medizinische Behandlung.
Seitdem ist Hester Marley, die durch den Anschlag ein Auge und einen Arm verlor, bei Parthenope Enterprises, die ihre Behandlung bezahlt haben, hoch verschuldet. Sie unterschrieb einen Fünfjahresvertrag. Statt KIs zu entwickeln, dient sie nun auf einer abgelegenen Raumstation als Security-Offizierin.
In dieser Funktion erfährt sie, dass ein weiterer Überlebender auf einer Asteroidenmine brutal ermordet wurde. Als sie am Tatort ankommt, stößt sie auf eine Mauer aus Schweigen, Verleumdungen und Geheimnissen. Ihr alter Freund hat etwas entdeckt - etwas, das ihn sein Leben gekostet hat, etwas, das Parthenope unter allen Umständen geheimhalten will und wofür der Konzern im wahrsten Sinne des Wortes bereit ist, über Leichen zu gehen…
Nicht umsonst hat der Verlag dem Einzelroman Werbung für S. A. Barnes‘ ebenfalls bei Heyne erschienenen Space-Thriller beigefügt. Kali Wallaces Roman fügt sich hier sehr passend in die Veröffentlichungen ein. Es geht um Geheimnisse, Verbrechen im lebensfeindlichen All, um allmächtige, skrupellose Konzerne und mutige Frauen, die sich ihnen entgegenstellen.
Wallace macht das durchaus geschickt. Zunächst stellt sie uns ihre Erzählerin vor, nach und nach erfahren wir mehr über deren Hintergrund. Einst als brillante Wissenschaftlerin hofiert und geschätzt, fristet sie nun ein mehr als karges Dasein als kleines Rädchen in der großen Konzernmaschine. Statt ihre Ressourcen an Wissen und Erfahrung zu nutzen, schob der Konzern sie auf einen Posten im Nirgendwo ab. Ihre Behinderung durch die künstlichen Gliedmaßen und das Auge trägt sie mit stoischer Fassung, sodass sie mehr unsere Achtung als unser Mitleid erregt.
Dann geht es daran, die Geheimnisse um den Mord und das Motiv aufzuklären. Der Kriminal-Plot weist einige kleinere Brüche auf, die den Lesefluss jedoch nicht sonderlich stören. Die Verfasserin lässt ihre Protagonistin - und mit ihr uns Lesende - lange im Dunkeln tappen. Es gibt erste Hinweise darauf, dass etwas wirklich Wichtiges verheimlicht werden soll, doch der Zusammenhang mit unserer Erzählerin wird erst spät hergestellt. Sie muss sich aus Fakten, Hinweisen und Schlussfolgerungen selbst die Lösung erarbeiten, die sich letztlich in sich logisch und folgerichtig präsentiert.
Wer also einen Weltraum-Krimi beziehungsweise -Thriller sucht, wird hier gut und spannend unterhalten.