Patrik Banga: Ich war wütend auf die ganze Welt (Buch)

Patrik Banga
Ich war wütend auf die ganze Welt
Übersetzung: Hana Hadas
Anthea, 2025, Paperback, 208 Seiten, EUR

Rezension von Christel Scheja

Wenn sich etwas in unserer Gesellschaft zu halten vermag, dann sind das Vorurteile und festgefügte Meinungen, die alle Menschen einer bestimmten Volksgruppe unter Generalverdacht stellen. Deshalb sind autobiographische Lebensgeschichten wie die von Patrik Banga umso wichtiger. Sie zeigen ungeschminkt auch einmal die andere Seite der Medaille und das mit Licht und Schatten, wie „Ich war wütend auf die ganze Welt“.

 

Obwohl seine Eltern beide einer geregelten Arbeit nachgehen und auch andere Mitglieder der Familie respektable Berufe haben, ist Patrik wie seine Geschwister schon von seiner Geburt an abgestempelt. Das bekommt er bereits als kleiner Junge und später im Kindergarten und in der Schule zu spüren. Denn ob nun Lehrer, Mitschüler und sogar die Polizei, Rassismus und Gewalt gegen Rom sind an der Tagesordnung, sie werden - selbst, wenn sie nichts getan haben oder sich nur wehren - als Kriminelle abgestempelt und man verbaut ihnen bessere Lebenswege, wo man kann. Doch Patrik ist niemand, der sich unterkriegen lässt.


Und das ist der Punkt, der diese Geschichte so besonders macht. Denn Patrik Banga erzählt offen und schonungslos von dem, was er als Rom in Tschechien schon als kleines Kind miterlebt hat. Dabei bleibt er sehr differenziert und macht sehr schnell deutlich, dass es auf beiden Seiten gute und schlechte Menschen gibt, diejenigen, die sich als Arschlöcher erweisen oder eben auch als Unterstützer.

Er erzählt lebendig von seinen ersten knapp zwanzig Lebensjahren, den Menschen und den Dingen, die ihn geprägt haben, aber auch von den Momenten, in denen er am Boden war. Der Rassismus und die Gewalt gegen die Roma wird spürbar und nahbar, man fühlt mit ihm und ist genau so wütend auf diejenigen, die ihm einfach keine Chance geben.

Auf der anderen Seite macht er aber auch klar, dass es natürlich auch genügend Roma gibt, die es mit bestimmten gesellschaftlichen Regeln nicht genau nehmen und damit den schlechten Ruf seines Volkes verschlimmern.

Es ist bemerkenswert, dass ihn seine Erlebnisse nicht zerstören, sondern eher auf einen Weg bringen, auf dem er versucht, den Menschen zu helfen - sogar in einem Flüchtlingslager. Und man merkt, dass auf dem Balkan und sogar schon in Osteuropa einige Dinge ganz anders laufen als man es gewohnt ist. Und das gibt mehr als Hoffnung.

All das sind wunderbare Einblicke in eine Welt, die deutsche Leser nicht kennen können und ihnen vielleicht auch helfen, die Augen zu öffnen, die Roma einfach differenzierter zu sehen und nicht einfach in einen Topf zu werfen oder die alten Vorurteile wiederzukäuen. Denn nur so haben mehr Menschen wie Patrik die Chance, ihren Weg zu gehen und die alten Grenzen aufzubrechen.

„Ich war wütend auf die ganze Welt“ ist eine ebenso spannende wie auch nachdenklich machende Autobiographie. Denn Patrik Banga macht durch die Schilderung seines Lebens klar, dass viele Vorurteile gegen die Roma leider allzu oft durch Rassismus und Gewalt zementiert werden und man einfach mehr auf Stimmen wie die seine hören sollte. Denn auch wenn diese eine eigene Volksgruppe bilden mögen, so sind viele doch nicht mehr und nicht weniger ganz normale Menschen, die ein Teil der Gesellschaft sein wollen, wenn man sie nur ließe.