Theresa Bell: Sepia und das Erwachen der Tintenmagie (Buch)

Theresa Bell
Sepia und das Erwachen der Tintenmagie
Titelbild und Innenillustrationen: Eve Schöffmann-Davidov
Thienemann, 2024, Hardcover, 374 Seiten, 17,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Sepia hat es wahrlich nicht einfach im Leben. Als Waisenkind ist sie im Heim aufgewachsen, die anderen Kinder haben sich immer über ihre tintenverschmutzten Finger lustig gemacht. All dies ändert sich, als sie kurz vor ihren 12. Geburtstag ein Schreiben bekommt. Niemand geringerer als der gefeierte Buchdrucker Silbersilbe bietet ihr eine Lehrstelle bei sich in Flohall an - natürlich nimmt sie den Vorschlag begeistert, aber auch mit ein wenig Angst im Bauch, an. Warum nur hat der ihr unbekannte Meister sich ausgerechnet sie ausgesucht, woher weiß er eigentlich, dass es sie überhaupt gibt?

Zusammen mit anderen Lehrlingen beginnt sie ihr Studium des Setzens und Säubern von Buchstaben, das Bedienen der Druckerpresse und die Unterscheidung der verschiedenen Tinten - und lernt dabei die Lehrlinge der Meisterin der Buchmalerei und des Meisters des Buchbindens kennen. Die Drei freunden sich an, gehen gemeinsam einkaufen, ins Buchcafé und erkunden die malerischen Ecken Flohalls.

Dann aber suchen Anschläge Flohall heim. Zum Glück hat sie neben ihren Freunden auch ein kleines s das immer wieder aus dem Setzkasten springt und ihr Hinweise und Tipps gibt. Gemeinsam machen sie sich daran, die dunklen Geheimnisse, die mit dem Tintenkrieg und dem damals verschwundenen Alchimisten zusammenhängen, aufzuklären…


Wenn sich mehr als zwei Handvoll Verlage um das Debüt-Manuskript einer jungen Autorin streiten, dann muss das Werk etwas Besonderes sein.

Ein Einzelroman, der aber durchaus Fortsetzungen bekommen könnte, erwartet die Leserinnen und Leser. Im Mittelpunkt steht eine junge Waise. Dass ihr die Autorin und das Schicksal böse mitgespielt haben, weckt unser Mitgefühl, zumal ihr, einmal in der Meisterwerkstatt angekommen, das Handwerk der Buchdruckerkunst auch nicht eben zufliegt.

Dann lernt sie zwei andere Lehrlinge, bezeichnenderweise außerhalb ihres Haushalts, kennen und zum ersten Mal erlebt sie echte Freundschaft und Zusammengehörigkeit. Diese Entwicklung, das zunächst zögerliche Entgegenkommen, den Aufbau von Vertrauen hat Bell sehr gut nachvollziehbar und einfühlsam beschrieben.

Sepia lernt, begleitet von ihren neuen Freunden, die Stadt, in der sich alles um Bücher dreht, kennen und lieben. Dazu - und hier wird der Plot ein wenig stereotyp - kommt die Bedrohung von außen. Zunächst belauschen die drei Lehrlinge ihre Meister, danach stoßen sie selbst auf erste Vorfälle, die auf eine Verwicklung mit der Vergangenheit hindeuten. Dies ist zwar erfahrenen Leserinnen und Lesern entsprechender Werke wohlbekannt, ermöglicht es aber gleichzeitig jungen Lesenden, die recht frisch zum Medium Buch kommen, recht problemlos in die Handlung zu finden.

Neben der immer wieder durchscheinenden Liebe zum Medium Buch überzeugen insbesondere die drei Erzähler. Die jungen Lehrlinge sind differenziert ausgearbeitet, jeder hat sein Päckchen zu tragen, und eignen sich wunderbar, um mit diesen auf Abenteuer zu gehen.

So manche vergleichen den Roman mit Cornelia Funkes „Tintenherz“. Ähnlichkeiten gibt es neben der Hinwendung zum Buch auch in der Art, wie die Geschichten langsam, fast behutsam - aber intensiv - aufgebaut und erzählt werden.

Der Verlag hat versucht, dem Titel auch äußerlich Einiges mitzugeben. Eine wunderbar passende Cover-Illustration sowie diverse Zeichnungen im Text, die diese optisch umsetzen, machen das Werk auch optisch interessant.

„Sepia und das Erwachen der Tintenmagie“ ist ein Buch, das hervorragend auf die Zielgruppe (Jugendliche ab 10 Jahren und natürlich jung gebliebene Erwachsene) zugeschnitten ist, das spannend und fesselnd eine packende Geschichte erzählt und dabei den Wert der Freundschaft und Verlässlichkeit propagiert.