John Scalzi: Die Gesellschaft zur Erhaltung der Kaiju-Monster (Buch)

John Scalzi
Die Gesellschaft zur Erhaltung der Kaiju-Monster
(The Kaiju Preservation Society, 2022)
Übersetzung: Claudia Kern
Cross Cult, 2024, Paperback, 336 Seiten, 16,00 EUR

Rezension von Carsten Kuhr

Eigentlich wollte Jamie ja in Chicago seine Master-Arbeit über SF schreiben, dann entschied er, dass es vielleicht doch geschickter wäre, in New York Karriere zu machen. In einem Start-up für kontaktlose Essensauslieferungen will er durchstarten - bis ihn der Boss nach einem halben Jahr zu den Fahrern entsorgt. Mitten während Corona muss er froh sein, wenigstens noch etwas zu verdienen - bis sein Ex-Boss das Unternehmen an Uber verkauft und er auf die Straße gesetzt wird.

Da kommt das Angebot eines entfernten Bekannten gerade rechtzeitig: Er soll Sachen schleppen, irgendwo im Nichts, während die Wissenschaftler eine Spezies erforschen und schützen wollen.

Gesagt getan - nur, dass das Irgendwo eine Parallelwelt ist und die schützenwerte Fauna einer Kreuzung zwischen Drachen und Godzilla gleicht…


Ein neuer Roman von John Scalzi - das hätte früher die deutschen Verlage zu einem Wettbieten auf die Buchmesse getrieben. Statt aber bei Heyne oder Tor, erscheint das Buch nun bei Cross Cult. Neben der regulären Paperback-Ausgabe hat der Verlag dem Roman gleich noch eine limitierte Hardcover-Ausgabe gegönnt - man weiß, wie man Leser und Autor glücklich macht!

Inhaltlich verlässt der Autor vorliegend die unermesslichen Weiten des Alls. Nichts ist es mehr mit Raumschiffen, unsterblichen Söldnern oder KIs, jetzt erweist Scalzi des Filmen seiner Jugend seine Referenz. „Jurassic Park“ und Godzilla standen unübersehbar Pate, als der Verfasser sich seinen Plot hat einfallen lassen.

Nun, ganz so einfach hat es sich Scalzi nun auch wieder nicht gemacht. Er schildert uns eine andere Dimension, eine Erde neben unserer Erde, in der der Meteoriten-Einschlag, der den Sauriern das Leben kostete, nicht stattfand. Stattdessen entwickelte sich eine Flora und Fauna weit ab von dem, was wir in den letzten Jahrtausenden vorfanden.

Riesige, geflügelte Wesen, eigentlich viel zu groß, um existieren zu können, angetrieben von einem biologischen Atomreaktor - komplett mit einem fremden, für Menschen tödlichem Ökosystem -, natürlich einigen Bösewichtern (die allerdings eher spät in die Handlung eingreifen) und eine Welt, die in ihrer Ausgestaltung ebenso faszinierend wie gefährlich erscheint.

Dazu hat der Verfasser dann noch die Corona-Pandemie, einige Seitenhiebe auf unsere moderne Leistungsgesellschaft und jede Menge Reminiszenzen an die bereits erwähnten Blockbuster-Movies beigefügt. In Kombination mit den sympathisch gezeichneten Figuren, der unaufgeregten Erzählweise, dem inkludierten Humor und der Alltäglichkeit des Plots liest sich der Roman flüssig und angenehm auf einen Rutsch durch. Nett; nicht unbedingt Scalzis bestes Werk, aber auf jeden Fall unterhaltsam und interessant.