Gina Chen: Violet Made of Thorns - Dem Schicksal zu trotzen hat seinen Preis (Buch)

Gina Chen
Violet Made of Thorns - Dem Schicksal zu trotzen hat seinen Preis
(Violet Made of Thorns, 2022)
Übersetzung: Isabelle Gore
Cross Cult, 2023, Paperback, 440 Seiten, 16,00 EUR

Rezension von Christel Scheja

In den letzten Jahren sind Fantasy-Romane, die sich bekannter Märchen-Motive bedienen, äußerst beliebt. So scheint auch Cross Cult nun ebenfalls einen Teil vom Kuchen abhaben zu wollen, wie man an Gina Chens „Violet Made of Thorns - Dem Schicksal zu trotzen hat seinen Preis” merkt.


Durch ihre besondere Gabe ist Violet vom Straßenkind zur königlichen Seherin und Prophetin des Königs aufgestiegen, hat aber auch gelernt, nicht immer die Wahrheit zu erzählen. So auch jetzt nicht, als sie erkennen muss, dass der Fluch, der über Prinz Cyrus liegt, langsam aber sicher seiner Erfüllung naht.

Auch wenn sie den arroganten und sich idiotisch benehmenden Königssohn nicht mag, so nimmt sie doch den Kampf gegen das Schicksal und der Mächte auf, die den jungen Mann sterben lassen wollen. Nach und nach enthüllt sich auch ein größerer Plan dahinter, dessen Drahtzieher nur noch gefunden werden muss.


Das Setting ist schon ein wenig märchenhaft, denn es gibt Feen und Hexen, düstere Geheimnisse und Schicksalsmächte. Das Reich, in dem Violet lebt, hat ebenfalls etwas Verwunschenes an sich. Und so wie Flüche und Träume sie und das Königshaus beherrschen, so ist es auch an der unwilligen Seherin, diese bösen Mächte zu brechen und ihnen Einhalt zu gebieten, um am Ende natürlich den Prinzen zu heiraten. Allerdings vermischt die Autorin die bekannten Versatzstücke mit vielen moderneren Elementen, denn die Position der Seherin ist längst nicht so unangefochten wie man denkt und die Heldin auch nicht gerade blauäugig, sondern durch ihre Erfahrungen in der Kindheit eher abgebrüht und zynisch.

Nach und nach enthüllt sie die Geheimnisse des Reiches und taucht dabei tiefer in die märchenhafte Mythologie ein, in der Gestaltwandler und Hexen ebenso dazu beitragen wie eine magische Fäule. Und nicht zuletzt muss auch der eingebildete Prinz eine interessante Wandlung durchlaufen. Allein bei der Romanze scheint die Autorin die Erwartungen der Leserinnen zu bedienen, denn so sehr sich die beiden Hauptfiguren am Anfang hassen, desto leidenschaftlicher fühlen sie sich am Ende zueinander hingezogen.

Das Ganze wird in einem leichten und unterhaltsamen Stil erzählt, bietet genug Abwechslung und immerhin Figuren mit Ecken und Kanten, die überhaupt nicht perfekt daher kommen, was immer wieder zu netten Wendungen führt. Zudem bürstet die Geschichte sogar einige der bekanntesten Klischees gegen den Strich.

„Violet Made of Thorns - Dem Schicksal zu trotzen hat seinen Preis” mag auf den ersten Blick recht konventionell wirken, bietet aber gerade im Verlauf der Handlung immer wieder nette Überraschungen, die Klischees durchbrechen. Nicht zuletzt sorgen die Figuren durch ihre Ecken und Kanten für Unterhaltung.