Markus Heitz: Judastöchter (Buch)

Markus Heitz
Judastöchter
Judas 3
Titelillustration von Reitze de la Mazam
Knaur, 2010, Paperback mit Klappenbroschur, 604 Seiten, 14,99 EUR, ISBN 978-3-426-65230-5

Von Carsten Kuhr

Trotz aller Vorsicht die Sia, eine Jahrhunderte alte Vampirin und letzte der Judastöchter, walten lässt, sind ihre letzten beiden lebenden Verwandten angegriffen worden. Während Emma in Leipzig nach dem Angriff im Koma liegt, beschäftigt sich deren Tochter, die aufgeweckte Elena, damit, das zu schaffen, was Sia mit aller Macht zu verhindern sucht.

Elena will, um den Preis des eigenen Todes, zum Judaskind werden, um so ihre Mutter schützen zu können. Gesagt, getan. Als sie bei Eislaufen eine Schwachstelle im Eis entdeckt, stürzt sie in die kalten Fluten – und wird, wie kann es anders sein, gerettet und von ihrem mysteriösen Retter nach England entführt. Damit nicht genug muss Sia auch noch hilflos miterleben, wie Emma im Auftrag der Sidhe, der irischen Vampire, auf die Grüne Insel entführt wird.

Dort tobt, aller Verträge und Vereinbarungen zum Trotz, ein blutiger Kampf zwischen den Sidhe und den Gestaltwandlern. Ein Kampf, in dem Sia gezwungenermaßen eingreifen soll. Zusammen mit dem aus „Ritus“ und „Sanctum“ bekannten Eric von Kastell macht sich Sia auf, ihre Verwandten zu retten – und wehe dem, gleich ob Dämon, Vampir oder Werwesen, der sich diesen Beiden und ihren Verbündeten in den Weg stellt...

Markus Heitz ist im phantastischen, deutschsprachigen Büchermarkt ein Phänomen. Auf den Deutschen Phantastik Preis hat er ein Dauerabonnement, und seine Bücher platzieren sich regelmäßig auf den vordersten Plätzen der Bestsellerlisten. Gleich ob er sich der Völker-Fantasy (Piper), der SF (Heyne) oder wie vorliegend dem Horror (Knaur) zuwendet, die Fans goutieren seine Werke.

Vorliegend zeigt er einmal wieder in aller Deutlichkeit seine Stärken. In einem unheimlich dichten, spannenden und temporeichen Plot rast die Handlung von einem actionreichen Kampf zum nächsten. Dabei verzichtet er vorliegend – leider, für meinen Geschmack – auf historische Ausflüge, konzentriert sich ganz auf das Hier und Jetzt. Geschickt verwebt er dabei seine unterschiedlichen Horror- / Urban-Fantasy-Thriller miteinander, lässt liebgewonnene Figuren in einem anderen, neuen Umfeld auftreten und rast unaufhaltsam ins Finale. Auf der Strecke bleibt dabei einmal mehr die glaubwürdige Charakterentwicklung, die sich erneut ganz dem Diktat der knallharten Action beugen muss. Mehr Matthew Reilly als Peter Straub also, vordergründig auf den Effekt geschrieben, dies aber so routiniert und packend, dass der Leser ihm dies gerne verzeiht.

Auch wer die vorhergehenden Romane nicht kennt, wird in diesem Buch gut unterhalten, und dank der Rückblenden auch die Bezüge verstehen, dennoch ist die Kenntnis seiner andere bei Droemer/Knaur erschienen Thriller von Vorteil.