Ursula Poznanski: Erebios 2 (Buch)

Ursula Poznanski
Erebos 2
Loewe, 2019, Hardcover, 510 Seiten, 19,95 EUR, ISBN 978-3-7432-0049-4 (auch als eBook erhältlich)

Rezension von Christel Scheja

Vor zehn Jahren geriet Nick in den Bann eines Computer-Rollenspiels, das auch Auswirkungen auf sein reales Leben hatte. Damals gelang es ihm, die Software mit Freunden zu besiegen. „Erebos“ geriet in Vergessenheit und er wurde erwachsen und begann ein selbstbestimmtes Leben.

Nick verdient sein Geld inzwischen als freiberuflicher Fotograf, wird zu Hochzeiten eingeladen, ebenso wie er auch schon einmal das Essen eines neuen Restaurants fotografiert. Er mag zwar keine großen Sprünge machen können, doch er ist zufrieden - bis zu dem Tag, an dem ein nur allzu bekanntes Icon auf seinem Smartphone erscheint.

Ehe er sich versieht, ist auch sein Internet-Rechner infiziert. „Erebos“ ist zurück, fordernder und aggressiver als je zuvor.

Was nun? Nick ist mehr als bereit, den Kampf erneut aufzunehmen - anders als der siebzehnjährige Derek, der in der Schule gemobbt wird und durch das Spiel nun die Gelegenheit bekommt, sich gegen die Rüpel zu wehren und seinen Weg zu machen. Der Preis, den er bezahlen muss, der ist ihm egal.


Der erste Roman wurde damals zu einem ziemlichen Erfolg für die Autorin, die damit in die Riege der ernstzunehmenden Jugendbuch-Schreiber aufgenommen wurde. Seither hat sie schon einige Thriller mehr produziert, in denen sie aktuelle Themen mit einer spannenden Handlung verbindet.

Für Fans von damals ist es ein Wiedersehen mit dem erwachsenen Nick, der seinen Weg gegangen und ganz zufrieden mit seinem Leben ist. Für Neueinsteiger gibt es den jungen Außenseiter Derek, der dem Spiel voller Faszination verfällt, nicht ahnend, was für einen Preis er wird zahlen müssen.

Interessant ist, wie sich die Geschichte entwickelt. Nick bleibt trotz der Übermacht nicht untätig und findet tatsächlich nach und nach heraus, was hinter der ganzen Sache steckt, was auch den Leser überraschen wird.

Die Geschichte versucht nahe an der Wirklichkeit zu bleiben, erweist sich als dramatische Schnitzeljagd mit einem interessanten Ausgang.

Die Figuren sind allerdings der Geschichte untergeordnet, deshalb entwickeln auch nur Nick und Derek eine Art Profil, die anderen Figuren bleiben eher blass und erfüllen ihre Aufgaben in der Handlung.

Immerhin muss man den ersten Band nicht kennen, um alles zu verstehen, die notwendigen Informationen liefert die Autorin tatsächlich im Verlauf der Geschichte nach. Alles in allem werden sicherlich auch männliche Leser mit den Geschehnissen zufrieden sein, denn das Abenteuer steht im Mittelpunkt und nicht irgendwelche romantischen Gefühle, wie bei so vielen anderen Werken.

„Erebos 2“ versucht den Erfolg des ersten Bandes aufzugreifen. Ob das gelinkt können wohl nur die Fans beurteilen, die schon von „Erebos“ beeindruckt waren. Alle anderen erwartet ein actionreicher Thriller mit viel Mystery und einem guten Schuss Science Fiction, die aber gar nicht mal mehr so abwegig zu sein scheint.