Marie Brennan: Die Schattenkönigin - Der Onyxpalast 1 (Buch)

Marie Brennan
Die Schattenkönigin
Der Onyxpalast 1
(Onyx-Court: Midnight never come, 2008)
Übersetzung: Andrea Blendl
Titelbild: Martin Frei
Cross Cult, 2019, Taschenbuch, 14,00 EUR, ISBN 978-3-95981-686-1 (auch als eBook erhältlich)

Rezension von Carsten Kuhr

England, 1588. Während die spanische Armada versucht, die protestantische Königin Elizabeth unter das Beil des Henkers zu bringen, regiert diese mit starker Hand und scheinbar unangefochten ihr Reich. Der letzte Angriff wurde dank für die Jahreszeit ganz untypischer Stürme, erfolgreich zurückgeschlagen.

Dass Elizabeth einst schon im Tower einsaß und ihre Schwester sie zum eigenen Machterhalt meucheln wollte, ist vergessen. Sie, die nie wirklich geliebt, die sich nie gebunden hat, schart ihre Günstlinge um sich. In ihre persönliche Leibwache, den Gentlemenpensionären, nimmt sie nur junge Männer von untadeliger, höherer Herkunft auf, die zudem angenehm anzuschauen und modisch gekleidet sein sollten.

Dass sie einst, um ihrer Hinrichtung zu entgehen eine unheilige Allianz eingegangen ist, dass sie eine Verbindung zum Onyxpalast von Königin Invidiana, Herrscherin über Englands Fae hat, darf niemand erfahren. Die geschickt die gegnerischen Schiffe dezimierenden Unwetter aber hat England dem Eingreifend der Fae und ihres Meeresvolks zu verdanken…

Michael Devon, dessen Vater dank gut gehender Geschäfte als Buchbinder einen Adelstitel erwerben konnte, ist kürzlich den Pensionären beigetreten. Doch nur für eine zudem schmale Apanage Wache schieben, ist für den ambitionierten Mann zu wenig. Er will aufsteigen und mitspielen im ewigen Spiel der Intrigen um Macht und Einfluss, und er will seiner Königin im Geheimen - sprich in Diensten Francis Walsinghams, der den inoffiziellen Geheimdienst leitet -, dienen.

Dabei stößt er auf eine Agentin des um Einfluss und Macht buhlenden Feenvolks. Im Auftrag der ebenso intriganten wie mitleidlosen Herrscherin des Onyxpalasts soll die Agentin den menschlichen Hof ausspähen und dafür Sorge tragen, den Einfluss der Feen immer weiter auszudehnen…


Marie Brennan hat mit ihrer ebenfalls bei Cross Cult erschienen Saga um Lady Trent für Furore gesorgt. Als fachlich vorgebildete Geschichtswissenschaftlerin zeigte sie uns dort das Bild eines nur wenig verklärt dargestellten Britischen Empires, in dem eine Lady eine Lanze für Gleichberechtigung bricht und sich um die Erforschung der Drachen verdient macht.

Nach Abschluss des Zyklus, dem die Verfasserin die Geschichte eines Nachfahren von Lady Trent gerade folgen lässt, hat sie sich einer neuen Welt angenommen.

In der Monarchin Elizabeth hat sie eine Herrscherin und historische Ära gefunden, die es ihr merklich angetan hat. Vermengt hat sie diese auch in Details überzeugend gezeichnete Welt, mit der Legende der Fae und dunkler Magie.

Nun könnte man meinen, dass uns eine Handlung erwarten würde, die „James Bond“ mit „Maleficent“ verbindet - allein, dem ist nicht so. Lange Kapital hindurch beschreibt die Autorin, historisch sicherlich korrekt, ja minutiös recherchiert, vom Leben am Hof, dann ergeht sie sich in den alternierend aus Sicht des Leibwächters und der Agentin des dunklen Hofs geschilderten Kapitel, über das Leben und Denken der Feen.

All dies ist nicht uninteressant, lässt aber ein wenig, nein, wenn ich ehrlich bin doch sehr die Action vermissen. Lady Trent durfte sich immer wieder in neue Kulturen wagen, wurde angegriffen und musste ihr Überleben, oft mit der Waffe in der Hand, sichern. Devon und Lune dagegen verlieren sich im alltäglichen Intrigen-Spiel ihres jeweiligen Königinnenhofs. Dass dahinter dunkle Bedrohungen und Rätsel satt lauern, kann der Leser mutmaßen, lange, zu lange erfährt er hierzu nichts.

Neben den beiden den Plot dominierenden Figuren nimmt kaum ein Charakter wirklich plastisch Kontur an. Dies führt dazu, dass wir der Handlung distanziert folgen, dass ein wirklicher Lesefluss kaum aufkommt.

So ist dies ein Roman (die Autorin hat bis dato im englischsprachigen Original einen zweiten Roman sowie drei Novellen aus dieser Welt vorgelegt), der sich vornehmlich an Leser richtet, die historisch korrekte Beschreibungen des englischen Hofes, angereichert durch jede Menge Intrigen und einem Hauch an Magie, schätzen.