Moonshine 1 (Comic)

Brian Azarello
Moonshine 1
(Moonshine, Vol. 1, 2017)
Titelbild und Zeichnungen: Eduardo Risso
Übersetzung: Cristof Bango
Cross Cult, 2019, Hardcover, 144 Seiten, 22,00 EUR, ISBN 978-3-95981-569-7

Rezension von Christel Scheja

Brian Azarello und Eduardo Rossi haben bereits mit „100 Bullets“ bewiesen, dass ihnen knallharte Thriller liegen. Nun kommen sie mit einer Geschichte aus der Zeit der Prohibition zurück und garnieren diese auch noch mit übernatürlichen Elementen, so dass der Titel „Moonshine“ durchaus doppeldeutig zu sehen ist.

 

Die schon seit Jahren vorherrschende Prohibition hat dafür gesorgt, dass das organisierte Verbrechen mehr denn je blüht und Schwarzbrenner überall aus dem Boden schießen, die mit den Gangstern aus dem großen Städten Geschäfte machen wollen und natürlich auch umgekehrt.

Lou Pirilo ist einer dieser Handlungsreisenden in besonderer Mission. Der aalglatte Gangster aus New York kommt diesmal in ein Hinterwäldlerkaff, in dem immer noch Zustände wie im letzten Jahrhundert herrschen. Er versucht Verhandlungen mit dem Familien-Patriarchen Hiram aufzunehmen, der einen besonders guten Edelbrand produziert, doch dies gestaltet sich als überraschend schwierig, denn noch ein paar andere Geheimnisse holen den Städter auf unangenehme Art und Weise ein.


Auf ihre ganz typisch kaltschnäuzige und zynische Art und Weise inszenieren die Künstler das Ende der 20er Jahre in einem Südstaaten-Kaff, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint, auch wenn natürlich ein paar technische Entwicklungen wie Auto und Telefon zu finden sind.

Aber das Denken ist immer noch das alte; das bekommt der junge Mann zu spüren, der eigentlich geglaubt hat, leichtes Spiel mit den dummen Hinterwäldlern zu haben. Weit gefehlt, diese beginnen ihm zu zeigen, wo der Weg lang geht, je länger er bleibt. Nicht nur, das Hiram äußerst stur ist und in den profitablen Handel nur zu seinen abstrusen Bedingungen oder gar nicht einschlagen will - nein ganz offensichtlich macht auch noch eine Kreatur die Gegend unsicher, die den dunkelsten Albträumen entsprungen zu sein scheint.

Lou muss lernen umzudenken, wenn er überleben will, denn wie so oft in diesen Geschichten weiß er schon bald nicht mehr, auf welcher Seite er eigentlich steht und wem er überhaupt noch trauen kann.


Die Handlung mischt Elemente des klassischen Gangster-Thrillers mit allen dazu passenden Klischees mit Horror-Elementen, die zunächst nur sporadisch auftauchen, dann aber immer massiver werden. Die Geschichte springt bewusst zwischen den Blickwinkeln hin und her, nicht um den Leser zu verwirren, sondern um ihm den Geisteszustand des Helden näher zu bringen, der bald schon nicht mehr weiß, was eigentlich mit ihm los ist.

Die Saga funktioniert deshalb nicht nur als spannendes Drama mit Ambiente sondern auch als handfeste Grusel-Geschichte, die nach diesem Band zwar ein vorläufiges Ende findet aber im Grunde gerade erst anfängt, sind doch viele Fragen offen, die noch einer Beantwortung hatten.

„Moonshine“ 1 bietet einen spannenden Auftakt zu einer Serie, die auf gekonnt spannende Weise Horror und Thriller vermischt und dabei auch noch zielsicher die späten 20er Jahre des letzten Jahrhunderts zum Leben erweckt.